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Markus Lüpertz: „Studiengebühren sind ein Rückschritt“

Markus Lüpertz: „Studiengebühren sind ein Rückschritt“

Interview: Markus Lüpertz, Rektor der Kunstakademie, sieht die freie Lehre in Gefahr und kritisiert die neuen Studenten.

Düsseldorf. Herr Lüpertz, Sie haben hundert Studenten in den Orientierungsbereich aufgenommen, mehr als je zuvor also. Profitieren Sie von den Querelen an der Hamburger Kunstakademie, wo Studenten gegen die Gebühren protestieren?

Lüpertz: Das hat mit Hamburg nichts zu tun. Normalerweise nehmen wir bei 700 bis 1000 Bewerbungen 60 bis 65 Leute auf. Diesmal haben wir bei 750 Bewerbungen 100 aufgenommen, weil wir Platz haben und weil die eingereichten Mappen unvorstellbar schlecht sind. Wir wollen in den Vorsemestern noch einmal eine strengere, aber bessere Selektion treffen. Das Bildungsniveau derer, die sich bewerben, ist verheerend.

Wie kommt das?

Lüpertz: Das hat sicherlich etwas mit der Ausbildung an Schulen zu tun. Die Schulen sind offensichtlich nicht mehr in der Lage, einen anspruchsvollen Kunstunterricht zu vermitteln. Kunsterzieher werden ja an allen Ecken und Enden ausgebildet, nicht nur an Kunstakademien, was sicherlich besser gewesen wäre. Sie können Kunst auch an den Pädagogischen Hochschulen studieren, da rutscht es zu sehr in die Didaktik ab und hat mit dem Sinnlichen, Künstlerischen und Schöpferischen sehr wenig zu tun. Das sehen wir an den Mappen. Das Niveau beklagen wir permanent im Gespräch mit dem Ministerium.

Wie beurteilen Sie die Anfänger?

Lüpertz: Wir fragen uns, ob wir eine Leidenschaft in der Mappe entdecken. So etwas kann man sehr schlecht festmachen, es hängt von Erfahrungen und auch von Stimmungen ab. Nach zwei Vorsemestern gibt es eine weitere Prüfung und erst danach den Klassenzugang.

Planen Sie selbst noch, Ihr Atelier im Ratinger Tor einzurichten?

Lüpertz: Ja, natürlich, es ist schon eingerichtet. Aber ich gebe erst Ende August mein Atelier dem Studentenwerk zurück, das es abreißen will, um Studentenwohnungen zu bauen. Ich habe dort über 20 Jahre lang gearbeitet. Im nächsten Semester ziehe ich ins Ratinger Tor ein, dann können Sie mich im Garten singen hören.

Wie lange bleiben Sie an der Akademie?

Lüpertz: Ich habe Lehrverpflichtung bis Ende 2008, dann bin ich 68. Vielleicht gehe ich anschließend nach Italien oder nach Berlin zurück. Jetzt mache ich mir darüber noch keine Gedanken.

Gibt es einen Favoriten für die Nachfolge?

Lüpertz: Nein, diese Frage wird die Akademie nach mir regeln. Darauf will ich keinen Einfluss nehmen. Das wäre eine Hybris, die mir nicht zusteht.

Wir haben den viel zu geringen Besuch im Akademie-Museum bemängelt. Wie sehen Sie das?

Lüpertz: Die Akademie-Galerie ist ein Institut der Akademie, das vornehmlich zur Lehre da ist, damit die Studenten die Geschichte der Akademie kennen lernen. Wir sind nicht auf Besucherzahlen angewiesen. Dass wir es trotzdem öffentlich machen, ist ein Angebot, aber es ist kein Recht damit verbunden. Es ist ein erweiterter Hörsaal, und es betreut als Haus die Sammlung.

Können Sie etwas zum Generationswechsel in der Lehre sagen?

Lüpertz: Die Akademie ist im Umbruch. Früher war ich der Jüngste, jetzt bin ich der Älteste. Wir verhandeln über sechs Berufungen, noch ist nichts entschieden.

Wie beurteilen Sie die Querelen um die Studiengebühren an der Kunstakademie Hamburg?

Vita Lüpertz wurde 1941 in Reichenberg geboren. Er ist seit 1987 Rektor der Kunstakademie Düsseldorf und Professor für Malerei.

Kunstakademie : Sie hat 500 Studenten und unterhält eine Akademie-Galerie am Burgplatz.