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Manuel Göttsching - „e2-e4“: Eine Ikone der elektronischen Musik

Manuel Göttsching - „e2-e4“: Eine Ikone der elektronischen Musik

Bei der „digitale Düsseldorf“ gab Pionier Manuel Göttsching eine seiner seltenen Darbietungen von „e2-e4“.

Düsseldorf. Seit gut einer Woche läuft das Festival „digitale düsseldorf“. Es geht rund um die Digitalisierung in der Kunst — von der Grafik bis zur Musik. Neben Ausstellungen im Weltkunstzimmer an der Ronsdorfer Straße gibt es auch Konzerte. Zu den historisch besonders bedeutsamen Ereignissen gehörte der Auftritt des Musikers Manuel Göttsching (geb. 1952) in der Tonhalle. Göttsching gilt als Pionier der Elektronischen Musik und Vorreiter der Techno-Musik.

Kultstatus genießt vor allem Göttschings Komposition „e2-e4“. Dabei handelt es sich ursprünglich um ein Plattenalbum aus dem Jahr 1984. Das darin enthaltene Stück dauert rund eine Stunde und besteht aus auffallend wenig Material. Mehr als zwei verschiedene Akkorde kommen nicht vor, dabei wechseln diese sich ununterbrochen ab. Alle sonstigen Töne ranken sich um die beiden Akkorde. Auch der Rhythmus ändert sich praktisch kaum. Die spartanische Art erinnert stark an die Minimalmusic.

Göttsching hat hier viel programmiert und starrt bei seinem Auftritt meistens auf Monitore. Doch er greift auch in die Tasten eines Synthesizers. Eine rote E-Gitarre ist die ganze Zeit sichtbar, sie ist mit einem Ständer verankert. Nach etwa 20 oder 30 Minuten greift Göttsching zu dem elektrischen Saiteninstrument und spielt ein paar Töne. Sie bringen aber keine zusätzliche Dimension in die Musik, keinen plötzlichen Wechsel, sondern ergänzt nur das Bestehende mit ein paar Tönen.

Änderungen gibt es fast nur im Bereich Dynamik und Klangfarbe. Das größtenteils recht junge Publikum wusste, worauf es sich einließ. Die Zuhörer horchen still, einige auch mit geschlossenen Augen und geben sich einer Art Trance hin. Aber es gibt für diejenigen, die die Augen aufhalten, etwas zu sehen: Göttsching selbst ist ja nicht die Podien-Attraktion im Sinne des virtuosen Solisten. Für den visuellen Genuss haben Studenten am Institut Bild und Medien Düsseldorf um den Dozenten Christian Banasik eine Videoprojektion gestaltet. Die Bildmotive sind von der Musik inspiriert und wirken mal abstrakt, mal tauchen menschliche Silhouetten auf. Das synästhetische Konzept lockert die Monotonie der Musik etwas auf.

Das Publikum zeigt sich unterdessen begeistert, was am Jubel beim Schlussapplaus deutlich wird. Für die einschlägige Musikszene ist Göttsching ein Gott. Und nicht ohne Grund bezeichnete die englische Tageszeitung „The Guardian“ Göttsching einmal als „The Göttfather“. Das Album „e2-e4“ begründete den internationalen Ruhm Göttschings, dessen Erfolg in den USA größer war als in Deutschland. Die Ikone der Elektronischen Musik tritt selten in Erscheinung. Bei der „digitale düsseldorf“ gab es jetzt nun also die historische Gelegenheit das Stück, das den Lauf der Musikgeschichte ein bisschen veränderte, live zu erleben — ein mehr intellektuelles als emotionales Erlebnis.