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Kunst: Malerei - nichts als die bloße Wand

Kunst : Malerei - nichts als die bloße Wand

Die Förderpreisträger Max Schulze und Julia Gruner im Kunstraum.

Düsseldorf. Als praktisch erweist sich das Werk der Förderpreisträger für Malerei im Kunstraum an der Himmelgeister Straße 107, denn sie besteht vorwiegend aus bloßen Wänden, braucht also keinen Aufpasser. Max Schulze (38) arbeitet mit Dämmplatten, hinter denen die Farben nur etwas hervorschauen. Julia Grüner (31) bemalt gleich die Zwischenwände im Ausstellungsraum. Dass es sich dennoch um Malerei handelt, bemerkt der Besucher erst beim zweiten Blick.

Max Schulze ist Meisterschüler von Jörg Immendorff, der die Malerei so wichtig nahm, dass er mit ihr die Welt verändern wollte. Möglicherweise stemmt sich sein Schüler deshalb so vehement dagegen, die Malhaut als alleinige Realität zu akzeptieren. Er fing einst mit Explosionszeichnungen an, deren Teile er mit weißer Farbe wieder übermalte. Später hängte er seine Kunst in die Düssel, so dass das Wasser die Farbe abspülte. Jetzt rückt er der Leinwand mit Dämmplatten zu Leibe.

Zunächst malt er die Bilder in Betongrau und besprayt sie mit einem Feuerlöscher, den er mit schwarzer Farbe füllt. Lauter schwarze Flecken klatschen auf den Untergrund, die er in farbig ausmalt, bevor er das Ganze teilweise mit weißen Platten abdeckt. Die Bilder erhalten einen Designer-Look, würden da nicht einige Partien frei gelassen, als gebe der Künstler der Malerei eine letzte Chance, aus dem Dämmmaterial hervorzulugen.

Julia Gruner ist frisch gebackene Meisterschülerin von Gabriele Grosse. Sie bemalt die vorhandenen Zwischenwände mit dem grünlichen Ton von Rigips-Platten für Badezimmerwände. Anschließend bepinselt sie die grünliche Farbe mit Weiß, als habe sie die Formate der Rigips-Platten vor sich. Da hinein malt sie weiße Flecken, als habe sie zuvor die Kacheln abgenommen. Auch hier geht es also um einen Wand-Effekt.

Sehr schön ist ihr Versuch, Malerei als Farbkörper zu begreifen. Dazu bemalt sie eine Plastiktüte mit dem Motiv eines Obstbeutels in derart dicken Schichten, dass sie anschließend nur die Plastiktüte abziehen muss, um ihren Obstbeutel in reiner Farbe an die Wand zu lehnen.