Exklusiv-Interview: Macher der Privattheater: „Wir sind wichtige Arbeitgeber“

Exklusiv-Interview : Macher der Privattheater: „Wir sind wichtige Arbeitgeber“

Komödie und Theater an der Kö fordern von der Stadt je 250 000 Euro pro Jahr. Das ist nicht unverschämt, sagen die Intendanten der privaten Häuser.

Düsseldorf. René Heinersdorff vom Theater an der Kö und Katrin Schindler von der Komödie im Interview zu der von ihnen geforderten Subvention fürs Boulevard-Theater.

WZ: Wie sind Sie auf die Summe von 250 000 Euro gekommen?

René Heinersdorff (Theater an der Kö): Na ja, der städtische Kulturetat liegt bei 140 Millionen Euro. Komödie und Theater an der Kö haben zusammen 160 000 Besucher im Jahr. Jede Karte wäre mit 3,50 Euro subventioniert. Das ist nicht die Welt und anderen Städten ist es das wert: Das Theater am Kurfürstendamm etwa bekommt 250 000 Euro und die Komödie in Frankfurt sogar eine Million Euro. Unser Vorschlag ist also nicht unverschämt.

Katrin Schindler (Komödie): Unser Problem ist, dass wir die Eintrittspreise nicht erhöhen können. Weder können wir mehr Geld nehmen als das Schauspielhaus, noch sind wir ein Musical-Betrieb, wo die Karte hundert Euro und mehr kosten kann. Unsere Zuschauer zahlen solche Preise nicht.

Anders als das Schauspielhaus haben Sie keinen öffentlichen Auftrag.

Heinersdorff: Doch. Nur nicht erteilt. Boulevardtheater ist eine Einstiegsdroge für Theater. Für Bürger, die sich im Schauspielhaus überfordert fühlen oder denen dort die Eintrittspreise zu hoch sind. Bei uns gibt es nach wie vor Karten ab zwölf Euro pro Stück. Manche gingen nie ins Theater, wenn sie nicht zu uns kämen. Außerdem laufen bei uns auch Stücke, die an jedem Stadttheater gespielt werden, zum Beispiel „Gott des Gemetzels“ oder „Frau Müller muss weg“ oder wie jetzt „Der Vorname“. Wir bereiten die Stücke allerdings stärker unter dem komödiantischen Aspekt auf.

Und warum muss das subventioniert werden?

Schindler: Wir sind ein wichtiger Arbeitgeber für freie Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner, denen wir drei Monate lang Arbeit am Stück bieten. Wir haben feste Mitarbeiter und mit dem Mindestlohn zu kämpfen. Vom Kartenverkauf können wir diese Kosten nicht decken.

Heinersdorff: Es wäre außerdem schön, wenn wir nicht immer mit einer Schere im Kopf arbeiten müssten. Wenn wir ästhetisch neue Wege gehen, mal etwas wagen könnten und es verkrafteten, wenn ein Besucheransturm ausbliebe.

Laufen denn Ihre Theater so schlecht?

Schindler: Nein, aber es wird immer schwieriger. Man muss das perspektivisch sehen.

Heinersdorff: Wir haben Jahrzehnte gezeigt, dass wir ohne Subvention gut arbeiten können und das tun wir auch weiter. Aber vieles könnte besser laufen, Werbung, Technik. Warum immer nur sinkende Schiffe retten, anstatt guten Seglern etwas Wind zu geben? Wir blicken auf eine schöne Spielzeit zurück, 50 000 Euro haben wir aber trotzdem nicht übrig. Und mal ehrlich: Oper und Schauspielhaus werden doch nicht subventioniert. Sie werden finanziert, der Eigenbeitrag, den sie leisten, ist doch sehr gering. In unserem Fall wäre es eine echte Subventionierung, die uns eine Atemmaske für das Künstlerische ermöglichte.

Wie hoch muss im Schnitt die Auslastung sein, um auf eine schwarze Null zu kommen?

Heinersdorff: Sie muss bei 65 bis 70 Prozent liegen.

Welcher ist der größte Posten bei den Kosten?

Schindler: Die Gagen und die Gehälter.

Heinersdorff: ...und die Mieten.

Frau Schindler, Sie haben erst kürzlich 77 000 Euro von der Stadt bekommen, weil Sie arge Geldsorgen hatten. Jetzt beantragen Sie 250 000 Euro. Für jemanden, der erst seit einem Jahr in Düsseldorf ein Theater leitet, ganz schön sportlich.

Heinersdorff: Frau Schindler hat geschafft, was mir in 20 Jahren nicht gelungen ist. Ich betrachte sie als Anwältin der freien Theater.

Schindler: Mir ist wichtig, dass das Theater erhalten bleibt. Dafür stecke ich auch persönliche Bedürfnisse zurück und zahle mir streckenweise kein Gehalt.

Angesichts der hohen Subventionen des Schauspielhauses kommt bei Ihnen oft Neid auf.

Heinersdorff: Nein, das ist falsch. Intendant Beelitz und der geschäftsführende Direktor von Maravic machen einen guten Job. Jede Million ist da richtig investiert, wo sie in die künstlerische Arbeit fließt. Aber ich finde es eine Katastrophe, wenn gerade für horrende Summen renoviert wurde und jetzt wieder Arbeiten notwendig sind, nur weil man damals nicht richtig hingeschaut hat. Oder dass für viel Geld die Probebühne Central gebaut wird, und Intendantenanwärter sagen: Da spiele ich nicht. So was regt mich auf.

Was passiert, wenn ihr Antrag auf Förderung abgelehnt wird?

Heinersdorff: Dann hätten wir zumindest erreicht, dass sich die Politiker zu dem Thema verhalten und begründen, warum sie den privaten Theatern nicht helfen.

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