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Literatur: Vom Außenseiter zum Star

Literatur: Vom Außenseiter zum Star

Martin Mosebach, Träger des Büchnerpreises, stellte im Heine-Haus seinen aktuellen Roman vor.

Düsseldorf. Bis zum 28. Oktober 2007 war Martin Mosebach ein Außenseiter der deutschen Literaturszene. An dem Tag wurde dem 56-jährigen Juristen und Schriftsteller der wichtigste deutsche Literaturpreis zugesprochen. Der stets akkurat gekleidete Herr, den man sich gut in einem Wiener Kaffeehaus der Zwanziger Jahre vorstellen könnte, schreibt zwar aus der Gegenwart, aber ohne sich um aktuelle Tendenzen der Literatur zu kümmern, im Gegenteil, er verteidigt gern alte Traditionen.

In den 80er Jahren gab es klare Doktrinen, wie man zu schreiben habe, so erzählte Martin Mosebach bei seiner Lesung im ausverkauften Heine-Haus. Als er all diese Theorien vom Ende des Romans, vom Aufbrechen der Sprache, hörte, habe er sich entschieden, einen eigenen Weg zu gehen und eine Sprache zu finden, die sich ihm und seinem Stoff anschmiege, unsichtbar werde. Eine sehr musikalische Sprache sei dies, lobte Moderator Hajo Steinert vom Deutschlandfunk, und die Zuhörer konnten sich davon überzeugen, als der Autor zwei Kapitel aus seinem aktuellen Roman "Der Mond und das Mädchen" äußerst lebendig vortrug.

Ein junger, frisch verheirateter Bankangestellter mietet die Dachwohnung eines alten Hauses im Frankfurter Bahnhofs- und Rotlichtviertel an. Gleich am ersten Abend wird er in den multikulturellen Kreis einbezogen, der sich bei lauer Luft und Vollmond im Hof hinter dem Schnellimbiss trifft. "Das ist Monsieur Hans", so stellt ihn der marokkanische Hausmeister vor, und nach drei Bier fühlt sich Hans, "als habe er einen Raum im eigenen Körper betreten", der ihm grenzenlos erscheint. So sickert eine andere Welt in die Realität ein, die zunächst faszinierend, aber im Laufe der Handlung sich auch als unheilvoll erweist.

Eine überraschende Antwort gab Mosebach auf die Frage, wie er zu seinen skurrilen Gestalten gekommen sei. In diesem Fall habe er eine Gruppe von Menschen, die er in Kairo kennen lernte, vom Nil an den Main transferiert, berichtete der Autor. Er wollte keinen Roman über Kairo schreiben, denn sein Schauplatz sei stets Frankfurt. "Hier liegt das Material direkt vor mir, ich brauche keine mühseligen Recherchen und keine Zettelkästen, mit denen ich nicht umgehen kann", so Mosebach, der an seiner Heimatstadt schätzt, dass sie einen nicht zum schwärmerischen Patriotismus verführt.

Vita Martin Mosebach wurde 1951 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Jura in Frankfurt und Bonn und lebt seit 1980 als Schriftsteller wieder in Frankfurt. Neben Prosa und Lyrik schreibt er Aufsätze über Kunst und Literatur für Zeitungen und den Rundfunk. Außerdem veröffentlicht er Hörspiele, Dramen, Libretti (u.a. für die Salzburger Festspiele, die Oper Frankfurt und das Freiburger Barockorchester) sowie Filmdrehbücher. Martin Mosebach ist in diesem Jahr mit dem bedeutenden Büchner-Preis ausgezeichnet worden.