Zum Tod des Galeristen Wolfgang Gmyrek Der Kunsthändler, der den Hunger nach Bildern stillte

Düsseldorf · Im Alter von 77 Jahren ist der Galersit Wolfgang Gymrek gestorben. Namhafte Maler schätzten ihn für seine Zuverlässigkeit und Kollegialität.

Wolfgang Gymrek auf einem Foto seiner Frau.

Wolfgang Gymrek auf einem Foto seiner Frau.

Foto: Gabriele Stein-Gmyrek

Wolfgang Gmyrek ist tot, er starb im Alter von 77 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er war der letzte in der Riege der großen Düsseldorfer Galeristen. Seine Malerfreunde bezeichneten ihn als einen Besessenen. Er glaubte an die moderne Malerei seit seinem 16. Lebensjahr, als er anfing, figurative Kunst zu sammeln.

Alfred Schmela soll ihm die Frage gestellt haben, ob er bei ihm in der Galerie einsteigen wolle. Das brachte ihn auf die Idee, selbst Galerist zu werden. Er hatte Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Marketing studiert und als Journalist und Kommunikationsberater gearbeitet, als er 1980 anfing, den „Hunger nach Bildern“ zu bedienen.

Er war der erste Galerist in Westdeutschland, der die Maler aus der damals zweigeteilten Stadt Berlin an den Rhein brachte. Sein Kunststück war es, in der Zeit der Jungen Wilden Leinwände zu präsentieren, wie sie die mit Konzeptkunst groß gewordenen Düsseldorfer Sammler nicht kannten. Karl-Heinz Hödicke war Wortführer, der mit realistischen Bildern gegen die Abstraktion anmalte. Mit seinen unverbrauchten zeitgenössischen Werken setzte er sich von der Generation der Tachisten und Konstruktivisten durch einen dynamisch fließenden Gestus ab, in dem die Kunst eine neue Strahlkraft erhielt. Sein Englischrot aus Binderfarbe vom Baumarkt war beliebt.

Wolfgang Gmyrek pflegte das Programm immer wieder zu erweitern und zu verjüngen. Aus dem Rheinland gehörten Norbert Taddeusz, Per Kirkeby, Dieter Krieg, Peter Chevalier, selbst Markus Lüpertz und Konrad Klapheck dazu. Die Maler schworen auf ihn, seine Zuverlässigkeit und Kollegialität. Plötzlich wurde es Mode, Kunst zu erwerben. Menschen, die nie Kunst besaßen, kauften plötzlich. Das heizte den Markt an und trieb die Preise hoch. Die deutsche Kunst wurde erstmals international gehandelt. Das brachte den Boom hervor.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs wurde Gmyrek 1990 bis 2009 Sprecher der Initiatorengemeinschaft Düsseldorfer Galerien. 1996 bis 1998 engagierte er sich zugleich in Berlin, wurde Gründungsgeschäftsführer von European Galleries (1996–1998) und Geschäftsführer des Berliner Art Forums. Aber in den 1990er-Jahren nahm die Kauflust ab. Das hatte mit der Finanzkrise in Japan und dem Golfkrieg zu tun, aber auch mit den Modekäufern der 1980er-Jahre, die sich nun für andere Dinge interessierten. Außerdem erwuchs in der Fotografie ein neuer Konkurrent. Nun aber machte Gmyrek einen gravierenden Fehler. Er kaufte 1992 das Grundstück an der Mühlengasse mit 100 Meter Straßenfront der Stadt ab und errichtete für seinen eigenen Bedarf an Hausnummer 5 eine Galerie vom Feinsten, mit Granit im Erdgeschoss und Basalt im Souterrain. In der Flaute konnte er die Galerie nicht halten. Doch er gab nicht auf. 2013 bis zu seinem Tode führte er die Gmyrek Arts GmbH und betrieb Kunsthandel.

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