Kunstpreis: Der Bürgerschreck der 68er

Kunstpreis: Der Bürgerschreck der 68er

Günter Weseler wird während der Großen Düsseldorfer ausgezeichnet.

Düsseldorf. Mit Günter Weseler (77) erhält ein wichtiger Düsseldorfer Vertreter der 68er Jahre auf der "Großen Düsseldorfer" im Kunstpalast den "Kunstpreis der Künstler" (2500 Euro). In einem Sonderraum präsentiert er eine Schau jener wilden, aber auch traurigen Jahre, als Schreckensbilder von verbrannten Menschen im Vietnam-Krieg um die Welt gingen. Weselers erstes Objekt war 1966 entstanden und nannte sich "Napalm".

Der gelernte Hochfrequenz- und Tontechniker sowie Diplom-Ingenieur, der vier Jahre im Architekturbüro von Paul Schneider-Esleben arbeitete, scherte 1966 aus und begnügt sich seitdem mit einem ehemaligen Kuhstall in Düsseldorf-Lörick. Dort tischt er noch heute nicht nur Bananen, Pistazien und Datteln, sondern auch eine alternative Kunst aus Elektromotoren auf, die er mit Fell überzogen hat. Die Dinge "atmen", ziehen sich zusammen und plustern sich auf.

Ein bisschen gruselig schaut das Milieu noch heute aus. An der Wand hängt ein zottiger Pelz, wattiert durch grünlichen Schaumstoff, durchlöchert mit einem Schweißbrenner. Das Fell-Ergebnis stößt wie ein Asthma-Kranker auf fiese Weise Luft aus und schiebt dabei den Schaumstoff durch das gebrannte Loch im Pelz. Ein freigelegtes Herz scheint da zu klopfen. Vor rund 40Jahren war das ein Schock. Auf einem Baumstamm wirkt so ein atmendes Fell wie ein Parasit, im Kinderbett eher grausam, in der Grasmatte ein klein wenig lustig.

Als die Firma Karstadt ihre Schaufensterpuppen Ende der 60er Jahre austauschte, holte sich Weseler die ausrangierten Figuren, trennte wie Frankenstein die Köpfe mit Hilfe eines Büchsendeckels vom Hals, durchbohrte die Figuren für die zwei Komponenten des Polyurethanschaums und setzte in die Bäuche eine Kaffeemühle. Ein schrecklich-schönes Spektakel nahm seinen Lauf bei einer Straßen-Aktion in Hannover 1970. Weseler goss die eine Flüssigkeit in den Bauch und die andere in den Kopf. Dann entfernte er einen Deckel, den er im Hals eingeschoben hatte.

Service: Große KunstausstellungNRW Düsseldorf, Ehrenhof 4-5, Vernissage heute, zu sehen bis 16.3.,di-so, 11 bis 18 Uhr. Infos: Tel. 0211/8924151.

www.diegrosse.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung