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Kunst: Daumier kommt ins Theatermuseum

Kunst: Daumier kommt ins Theatermuseum

Hanna Seiffert und Dieter Prochnow geben 111 satirische Blätter ans Theatermuseum.

Düsseldorf. Honoré Daumier (1808 bis 1879) ist ein köstlicher Karikaturist. Seine komisch überzeichneten Darstellungen etwa der Claqueure in der ersten Reihe eines Zuschauerraums wirken auch 150 Jahre nach ihrer Entstehung herzerfrischend. Hanna Seiffert und Dieter Prochnow, zwei Urgesteine des Düsseldorfer Schauspielhauses, sind seit über 40 Jahren von seiner Kunst hingerissen.

Nun gibt es einen Schenkungsvertrag, der heute im Kulturausschuss abgesegnet wird. Danach kommen die Cartoons des Theaters nach dem Tode der Sammler ins Theatermuseum. Bis dahin schicken sie die 111 Blätter auf Ausstellungs-Reisen.

Daumier gilt als einer der wichtigsten Karikaturisten. In seinen humoristischen Bildern hält er den Bürgern den Spiegel vor Augen. Dieter Prochnow ist der festen Überzeugung, dass der berühmte Film "Die Kinder des Olymps" auf Daumiers Kunst beruht. "Das ist meine Welt, darin wollte ich eintauchen."

Aber auch seine politische Satire, den Kampf um die Pressefreiheit unter Louis Philippe, hält Prochnow für wichtig: "Den Karikaturenstreit gab es ja schon bei Daumier. Als er den französischen König Philippe zum Popanzen machte und ihm einen Birnenkopf aufsetzte, landete er im Gefängnis."

Das Schauspieler-Paar, das den Theater-Beruf ein halbes Jahrhundert ausgeübt hat, erinnert sich im WZ-Gespräch an die Anfänge der Begeisterung. Sie kannten den Namen Daumier noch nicht, als sie sich für seine Szenen aus dem Leben auf der Bühne und für die Mienen der Zuschauer interessierten, denen manche Bühnenposse ins Gesicht geschrieben ist. Anfangs seien die Spottbilder aus der Satire-Zeitschrift "Charivari" noch ganz preiswert gewesen.

Sie sind auch heute nicht teuer, aber in dieser Vollständigkeit nicht mehr zu haben. Lithographien beziffert das Antiquariat Marcus mit Preisen bis 240 Euro. Es gibt aber auch Probedrucke, Sonderdrucke und mehr, deren Wert doppelt so hoch liegt. Die Versicherungssumme bei der Ausstellung des Konvoluts lag bislang nach Auskunft von Museumschef Winrich Meiszies bei 90 000 Euro.

Den Museumsleiter lernten die Schauspieler nach ihrer Pensionierung vor fünf Jahren kennen. Sie seien allmählich Freunde geworden, sagt Hanna Seiffert. Die Stiftung hätten sie schon lange geplant. Der einzige Haken: "Wir wollten sicher gehen, dass die Blätter selbst dann nicht verkauft werden, wenn es etwa eines Tages kein Theatermuseum mehr gibt."