Künstlerin bearbeitet Glashaus am Worringer Platz in Düsseldorf

Verbotene Früchte für den Worringer Platz : „Verbotene Früchte“ für den Worringer Platz: Glashaus wird zu Kunst

Besucher dürfen im Herbst im Glashaus Psycho-Hormone der jungen Künstlerin Mira Mann inhalieren.

Das von außen eher traurige Glashaus am Worringer Platz soll zumindest im Innern erblühen. Es mutiert im Herbst zu einer „Wachstumskapsel“ für fremdartige, aber auch für verbotene Früchte mit transformativen Fähigkeiten. Wer will, kann diese Pflanzenhormone in der Techno-Wasserpfeife rauchen. Dazu gibt es ein „Dinner der verbotenen und fremden Früchte“. Eine recht ungewöhnliche Aktion ist dies. Sie geht auf eine Idee der Akademiestudentin Mira Mann zurück, die soeben den Wettbewerb „Fliegende Monumente“ gewonnen hat.

Kein Flugobjekt, das etwa über diesem von Drogen- und Alkoholkranken bevölkerten Distrikt kreist, ist gefragt. Es geht um ein temporäres Kunstwerk. Der Wettbewerb wurde zum fünften Mal von Oliver Gather und Andrea Knobloch durchgeführt, als künstlerische Aktion im sogenannten „Gasthof Worringer Platz“, wie sich das Glashaus auf dem Platz nennt. Kulturamt und Bezirksvertretung 1 steuern die Produktionskosten von 1.400 Euro und ein Honorar von 1000 Euro für die Realisierung bei.

Die Preisträgern Mira Mann (25), Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, ist schon durch spektakuläre Aktionen aufgefallen. Dazu gehört ein fingiertes Reisebüro anlässlich der Markus-Ambach-Projekte „Von fremden Ländern in eigenen Städten“, vor allem aber eine futuristische Service-Station für Waschungs- und Schönheitsbehandlung beim Rundgang 2018. Dabei ist die Studentin aus der Klasse Gonzalez-Foerster erst im sechsten Semester.

Die Studentin will Pflanzen züchten, die Psycho-Hormone bilden

„Pandoras Garten der über- und unirdischen Gelüste“ nennt sie ihr Projekt und schwärmt: „Pandora war die erste Frau der griechischen Mythologie, die den Menschen eine Bonbontüte voller Laster, Untugend, Mühe, Krankheit, Sucht, Tod und ein bisschen Hoffnung bescherte. Sie kehrt zurück als Femme fatale, als Alien. Sie richtet sich ein Labor ein, in dem die Geschlechter irrelevant sind.“

Die junge Frau will im botanischen Garten um Pflanzen bitten, auch selbst Pflanzen kultivieren und mit künstlichen Pflanzen, die sie selbst erzeugt, kombinieren. Den Hauptakzent setzt sie auf Pflanzen mit „transformativem Potenzial, die Psycho-Hormone bilden“. Hier wird es spannend oder möglicherweise auch riskant.

Der Besucher soll sich auf alles einlassen können, also auch auf „körpertransformierende Medikamente“. Sie denkt an Traubensilberkerze, Mönchspfeffer oder Brennessel, allesamt Pflanzen, die in der chemischen Medizin verwendet werden, aber auf sehr altem, tradiertem Wissen basieren. Ihr Glaubensbekenntnis, das hinter der Aktion steht, lautet: „Alle Menschen würden davon profitieren, wenn es nicht so klar getrennte Geschlechteridentitäten geben würde. Eines der Probleme liegt doch darin, dass alles in männlich und weiblich kategorisiert ist.“ Sie selbst werde allerdings ihre Identität nicht ändern.

Der zweite Preis im Wettbewerb „Fliegende Monumente“ geht an das Duo Tanja Kodlin und Ramon Graefenstein, die ein Baumhaus auf dem Platz vorschlagen. Mit dem dritten Preis wurde Christian Ahlborn bedacht, der per Akku und Sendestation ein „Funkhaus Worringer Platz“ herstellen möchte. Beide Vorschläge werden im Jahr 2020 verwirklicht.

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