Kraftwerk feiert 50. in Bonn gemeinsam mit 250 Jahre Beethoven

Musik : Kraftwerk – Beethoven – Bonn

Die Düsseldorfer Band feiert 2020 ihren 50. Im Rahmen von 250 Jahre Beethoven spielen sie exklusiv in Bonn.

Am 16 Mai 2020 spielt die Düsseldorfer Band Kraftwerk ein exklusives Konzert in Bonn – das einzige in Deutschland –, auf der Hofgartenwiese vor der altehrwürdigen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität; der Kartenverkauf auf der Website von Bonnticket hat begonnen. So viel zu der Nachricht.

Aber: Nächstes Jahr jähren sich zwei bemerkenswerte Geburtstage. Dann wird es genau 250 Jahre her sein, dass das Leben Ludwig van Beethovens in Bonn begann. Ein Komponist, ein Genie, der – obzwar durch Krankheit und Gehörverlust gequält – seine Musik in durch Kampf errungene himmlische Höhen steigen ließ und schließlich die gesamte europäische Kunstmusiktradition in seinem Lauf beeinflusste. Zugleich aber jährt sich 2020 in Düsseldorf die Gründung von Kraftwerk, die mit ihrer Musik Pionierarbeit auf dem Felde der elektronischen Musik geleistet haben, Kunst schufen, die durch ihre kompromisslose Paarung aus Minimalismus und Poesie zeitlos ist und unzählige Menschen inspiriert hat, unter ihnen etliche Musiker.

Dass es zu einer besonderen Verbindung zwischen 250 Jahre Beethoven und 50 Jahre Kraftwerk kommt, dürfte eine jener großen Überraschungen sein, mit der kaum jemand rechnet und die wohl alle begeisterten Freunde von kunstvoller Musik nahe an einen Höhepunkt bringen dürften. Und von kunstvoller Musik kann man sowohl bei Beethoven als auch Kraftwerk sprechen – wenngleich es sich emphatisch um deutlich unterscheidbare Musiksprachen handelt. Es mag etwas an den Haaren herbeigezogen klingen, Parallelen zwischen der Musik des Kraftwerk-Kollektivs und des Einzelkämpfers Beethoven konstruieren zu wollen, nur weil es just im Rahmen der Beethoven-Feierlichkeiten in der Bundesstadt auch ein Konzert der Düsseldorfer Band gibt. Bemerkenswert indes ist, dass sie ihr Jubiläum nicht in ihrer Heimatstadt Düsseldorf feiern.

Aber zunächst einige Informationen zum Kontext des Konzerts: Das Konzert ist eine Kooperation zwischen der Beethoven Jubiläums GmbH, die die Feierlichkeiten rundum den Geburtstag managt, mit dem Veranstalter E.L. Hartz Promotion, in Persona Ernst-Ludwig Hartz. Jener hat, wie er uns telefonisch mitteilte, nach einer langwierigen Verhandlung mit Kraftwerk dieses Konzert auf die Beine stellen können. Ob es einen inhärenten Bezug zwischen dem Programm, das Kraftwerk spielen wird, und dem Beethoven-Jubiläum geben wird, konnte er uns indes nicht bestätigen. Indes steckt in den musikalischen Konstrukten der Düsseldorfer ohnehin schon auch gerne unter der Oberfläche so mancher Kunstgriff, so mancher kongenial gefügte Bezug zur langen Kunstmusiktradition.

Kraftwerk wird ihr „Kraftwerk 3D“ Programm zum Besten geben, eine spektakuläre Show mit 3D-Bildern, die sie auch schon 2017 im Düsseldorfer Ehrenhof präsentierten. Es habe nun einfach zusammengepasst, sagt Hartz, dass es gelungen ist, das Konzert in Bonn zu organisieren; es sei nicht selbstverständlich, dass man ein Konzert auf der Hofgartenwiese vor der Uni geben könne. Es habe einer speziellen Genehmigung bedurft und das letzte Konzert an diesem Ort sei im Jahr 2002 gespielt worden. Man rechnet mit um die 25 000 Besuchern – so sei die Kapazität. Die Karten dürften sehr zeitnah ausverkauft sein. Das Beethoven-Jubiläum macht im nächsten Jahr vieles möglich.

Zurück zu dieser speziellen Kraftwerk-Beethoven-Konnektion, die mehr eine virtuelle sein dürfte. Sind Kraftwerk eine Musik-Maschine, bei der das Individuum hinter dem Konzept, hinter der Musik und dem Image zurücktritt, war Beethoven der Prototyp des musikalischen Genies, einsam, ruppig, genial und leidend. Hat Beethoven seine Musik in Noten aufschreibend im Geiste und auf Papier konstruiert, um immer wieder neu von Musikern zum Leben erweckt zu werden, so funktioniert die Musik von Kraftwerk aus dem Klangexperiment und deren Ästhetisierung heraus.

Doch sowohl Kraftwerk als auch Beethoven haben auf ihre jeweils ganz individuelle und dem zeitlichen Kontext angemessene Weise Weichen gestellt, die neue Wege für die Entwicklung der Musik eröffneten. Und der Umstand, dass diese beiden Sphären zumindest mittelbar in Bonn nun aufeinander treffen, ist überaus anregend, um sich Gedanken darum zu machen, was Musik so kunstvoll macht, dass es Millionen von Menschen – Fachleute als auch den spontanen Hörer – derart beeindruckt. Und am Beispiel von Kraftwerk und Beethoven lässt es sich auf treffliche Weise auf den Punkt bringen: Authentizität und ein Blick sowohl nach hinten als auch nach vorne. Und das passt indes sehr gut zu Bonn.

Die Karten für das Konzert am 16. Mai 2020 um 21 Uhr auf der Hofgartenwiese in Bonn kosten 65 Euro (Stehplatz, Normalpreis).

bonnticket.de

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