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Konzert: Hannes Wader - Wenn Liebe auf Protest trifft

Konzert: Hannes Wader - Wenn Liebe auf Protest trifft

Hannes Wader präsentiert im Savoy Theater viele alte Lieder im neuen Gewand.

Düsseldorf. Er gilt neben Reinhard Mey, Konstantin Wecker und Franz Josef Degenhardt als einer der letzten Liedermacher der alten Schule. Bekannt wurde Hannes Wader vor allem durch sein politisches Engagement als Sänger.

So wundert es auch nicht, dass viele der Fans im gut gefüllten Savoy Theater ins Schwärmen geraten, wenn sie von den großen Friedensdemos im Bonner Hofgarten berichten und über die Protestlieder, die der hochgewachsene Barde damals sang.

Doch die Stücke, mit denen Wader sein Konzert beginnt, sind nur wenig kämpferisch. Neben dem schon legendären Eröffnungslied "Heute hier, morgen da" denkt der ergraute Sänger über die Liebe nach, singt mit seiner prägnanten Stimme von der Kindheit und vom Weißdornbusch, der ihm so viel bedeutet. Dabei würzt der gebürtige Westfale sein Programm mit einem guten Schuss Ironie, mit der er auch sich selbst aufs Korn nimmt.

So beim Lied über seine erste Liebe, die mittlerweile ihre Feng-Shui-Brücke aus dem Baumarkt besitzt und sich hinter modern verglasten Fenstern den Blicken ihres einstigen Liebhabers entzieht. "Wenn andere von Romantik erzählen, war das bei mir eher ein Schuss in den Ofen", bekennt Wader schmunzelnd.

Dass der Liedermacher auch mit 65 nicht auf der Stelle tritt, zeigen alte Songs, die Wader textlich modernisiert und neu arrangiert hat. Wenn er etwa von dem Streit und der Zerrissenheit in der Beziehung zu seiner Ex-Frau Susanne singt, zeigt sich der Musiker doch weit versöhnlicher, als noch vor einigen Jahrzehnten, während seiner nach eigenem Bekunden "depressiven Phase".

Anders ist dies jedoch, wenn Nazis damit beginnen, seine Lieder zu missbrauchen. "Ich habe mir überlegt, ob dies nicht eine Gelegenheit ist, mit diesen Leuten ins Gespräch zu kommen. Doch mit Mördern kann und will ich nicht sprechen. Die würden auch mich und meine Musik vernichten und dabei noch die Refrains meiner Lieder gröhlen", poltert Wader empört und sein Publikum, das er wie gewohnt duzt, zeigt durch Applaus Solidarität.

Zur Person Hannes Wader wurde 1942 in Horberge-Uerentrup bei Bielefeld geboren. Er lebt heute in Schleswig-Holstein. Als Sänger und Liedermacher steht er seit den 60er Jahren auf der Bühne.