Konzert: Abdullah Ibrahim - Botschafter der Unterdrückten

Konzert: Abdullah Ibrahim - Botschafter der Unterdrückten

Jazzpianist Abdullah Ibrahim gastierte bei den 25. Eine-Welt-Tagen in der Tonhalle.

Düsseldorf. Er spielte 1994 zu Nelson Mandelas Amtseinführung, litt wie dieser einst unter der in Südafrika herrschenden Apartheid, aber Abdullah Ibrahim nutzte für seine politischen Botschaften nicht das Wort, sondern die Musik.

Der Jazzpianist, der auch Flöte, Saxophon und Cello spielen kann, ließ sich von Tänzen und religiösen Hymnen aus südafrikanischen Townships inspirieren und wurde mit den daraus entstandenen Kompositionen ein Botschafter seiner unterdrückten Leidensgenossen.

Im Rahmen der 25. Düsseldorfer Eine-Welt-Tage gastierte Abdullah Ibrahim jetzt in der Tonhalle und gestaltete ein besonderes Soloprogramm. Zum Ungewöhnlichen an Ibrahims Auftritt gehört die Grenzenlosigkeit seiner Musik. Alles fließt und geht ineinander über, ohne Pause, Schluss und Neubeginn. Anderthalb Stunden am Stück spielt Ibrahim Klavier, leise, langsam, aber mit Swing, Groove und klanglicher Wärme. Mit dem Forte geht der Herr im anthrazitgrauen Anzug sparsam um, lässt es aber gezielt zu und produziert einzelne schmerzhafte oder stolze Spitzen.

Nach etwa 90 Minuten markiert ein ausklingender Akkord den Schluss. Es gibt großen Beifall, Ibrahim nimmt ihn mit wie zum Gebet gefalteten Händen entgegen und setzt sich bald darauf wieder an den schwarzen Steinway-Flügel. Zugabe oder zweite Halbzeit? Man kann es kaum sagen, denn nun geht es lange weiter, teilweise erklingen Wiederholungen. Eine halbe Stunde später ist das Konzert tatsächlich aus, die elegische Odyssee mit ihren Schönheiten und Längen endet mit abermals herzlichem Applaus.

Freunde des Eine-Welt-Forums, das sich insbesondere für Afrika engagiert, sind gekommen, und zum Kreise der Engagierten gehören auch Mitglieder ähnlicher Organisatoren. So besuchte auch der Vorsitzender von "Futuro sí!", Fridhelm Griepentrog, das Konzert. "Wir engagieren uns zwar ausschließlich für Südamerika, fühlen uns aber natürlich solidarisch mit denen, die beispielsweise Projekte in Südafrika vorantreiben", sagt Griepentrog.

Ladislav Ceki, Geschäftsführer des Eine-Welt-Forums, erklärt, auch nach dem Ende der Apartheid bestehe in Südafrika noch viel Handlungsbedarf. Und mit dem großen Abdullah Ibrahim fange eine freundschaftliche Zusammenarbeit gerade erst an.