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Komplexe Väter feiert Premiere im Düsseldorfer Theater an der Kö

Premiere : „Komplexe Väter“: Ein würdiges Jubiläumsstück im Kö-Theater

Die Premiere mit Jochen Busse, Hugo Egon Balder und auch Regisseur und Autor René Heinersdorff auf der Bühne überzeugt mit Tempo und Körpereinsatz.

Seine Festrede zum 25. Geburtstag des Theaters an der Kö hält Armin Laschet erst am 20. September. Der Landesvater, sicherlich mit prall gefülltem Terminkalender, verpasste daher die bejubelte Jubiläums-Premiere im voll besetzten Lustspielhaus in den Schadow-Arkaden – eingeleitet durch Dankesworte an die Zuschauer, die 25 Jahre die Treue hielten, und ein kurzes, leidenschaftliches Bekenntnis zum Boulevard und privatfinanzierten Theater vom Hausherrn selbst. Vor 25 Jahren – damals Anfang 30 – hatte „Robby“ (wie viele René Heinersdorff heute noch nennen) den Sprung gewagt, ein eigenes Haus zu eröffnen. Und sorgt seit einem Vierteljahrhundert für überwiegend leichte, heitere Kulturkost in dem Kommerz-Viertel. Nicht direkt auf dem Prachtboulevard, aber doch in nächster Nachbarschaft, im Tiefparterre. „An der Kö“, eben nicht „Auf der Kö“!

Heinersdorff, einer der meist gespielten Theater-Autoren in Deutschland, gönnte sich zum Silber-Jubiläum sein 16. Stück, „Komplexe Väter“: Hier spielt nicht nur die Zahl 25 eine wesentliche Rolle, auch, vielleicht aus eigener Erfahrung schöpfend, werden die Probleme von Patchwork-Familien, späten Vätern und extremen Altersunterschieden zwischen Partnern zum Thema gemacht. Dabei schrieb der vierfache Vater Heinersdorff (Mitte 50) die boulevardesken Verstrickungen und Verwechslungen seinen langjährigen Freunden und Kollegen Jochen Busse und Hugo Egon Balder auf den Leib. Die lang gedienten TV-Senioren Balder und Busse – im Privatleben selber späte Väter – mimen hier Erik und Anton. Erik (Balder), ein zynischer Schlaffi, leicht vorgebeugt, Hände in den Lederjacken-Taschen, ist der leibliche Vater der 25-jährigen Nadine (Katarina Schmidt). Anton (Busse) mimt den (zumindest nach außen) sittenstrengen Erzieher: Er ist seit 25 Jahren der Partner von Nadines Mutter Ute (Alexandra von Schwerin).

Mag die Konstellation auch leicht konstruiert wirken, so leben die knapp zwei Stunden von Situations- und Typen-Komik, besonders rauf und runterkonjugiert vom ungleichen Duo Balder/Busse, das sich die Boulevard-Bälle und Gags zuspielt, körperlich verausgabt (besonders der sportliche 78-jährige Busse) und die Lachmuskulatur des Publikums ganz schön trainiert. Nach dem Motto: Jeder Gag ein Treffer. Am Ende Jubel und Ovationen.

Nach Hamburg und Berlin kommt Heinersdorffs eigene Inszenierung jetzt ins Theater an der Kö. Der Jubiläums-Clou: Der Autor und Regisseur steht selbst auf der Bühne als Björn – ein verstiegener Psychologe, Mitte 50, kurz vor der Scheidung und frisch verliebt in eine ehemalige Patientin – man ahnt es schon – die hübsche Nadine. Sie wurde mit zwei Vätern groß, die seit über 20 Jahren verfeindet sind. Björn soll an diesem Abend den Vätern und der Mutter vorgestellt werden. Und er schafft eins sofort: Die beiden Zank-Gockel verbünden sich gegen den Schwiegersohn in Spe, der so alt ist wie Anton war, als er vor 25 Jahren Mutter Ute kennengelernt hatte. Heinersdorff spielt Björn als Besserwisser, karikiert Psycho-Sitzungen und Therapeuten-Chinesisch. „Lass es zu!“ – einer seiner Lieblingssätze, wenn er die beiden Väter gleich aufs Sofa bittet.

So mutiert die unerwartete Begegnung der komplexen Väter zu einem Mix aus turbulenter Familientherapie und Comedy-Club, angereichert mit reichlich gymnastischen Slapsticks, für die Jochen Busse ein ausgeprägtes Faible hat. Dass die Regie dabei ordentlich Tempo macht, wirkt außerdem wie eine belebende Vitamin-Spritze.

Fazit: So komisch und spritzig kann Boulevard sein! Heinersdorff beweist damit, dass dieses häufig totgesagte Genre auch in 25 Jahren, also 2044, noch existieren könnte. Vielleicht dann auch noch im Theater an der Kö. Wer weiß!?

„Komplexe Väter“ wird noch bis 21. November gespielt. Tickets unter Telefon 322333

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