1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Komödie: In den Klauen des blonden Biests

Komödie: In den Klauen des blonden Biests

In der Komödie an der Steinstraße feiert Regisseur Fuschl mit „Es war nicht die Fünfte, es war die Neunte“ einen Erfolg.

Düsseldorf. Es geht gleich happig los für den Strandurlauber Bruno, der sich in seinem Hawaii-Hemd und Badehose nur einen sonnigen Tag machen will. Denn seine kapriziöse Liegestuhl-Nachbarin Eva, eine hübsche blonde Unbekannte, lässt ihn ihre unberechenbaren Launen spüren.

Und so ganz en passant teilt sie ihm mit, dass er seinen funkelnagelneuen Sportwagen so ungünstig geparkt habe, dass es unvermeidlich gewesen sei, ihm den Kotflügel abzufahren. So weit, so schlimm. Doch es kommt noch viel dicker.

„Es war nicht die Fünfte, es war die Neunte“ lautet der Titel des teilweise schwarzhumorigen Lustspiels von Aldo Nicolaj, das jetzt in der Komödie an der Steinstraße in einer Inszenierung des Hausherrn Helmuth Fuschl überzeugend Premiere feierte. Dieser musikalisch wirkende, auf zwei Beethoven-Symphonien anspielende Titel hat kaum etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun, spielt zum Schluss aber dennoch eine geheimnisvolle Rolle. Verraten wollen wir hierüber jedoch nichts, stattdessen den Besuch einer Aufführung empfehlen.

In der Produktion stimmt alles: Der Text, die Regie und die Schauspieler. Der weltbekannte italienische Autor Nicolaj hat Sinn für die Verbindung von Komik mit großer emotionaler Theatralik. Es fließen Tränen der Verzweiflung, Freude und Rührung. Wortwechsel explodieren wie kleine Granaten, und man hält es immer wieder für unfassbar, was die adrette Eva für Zumutungen für ihre beiden Männer Bruno und Mario parat hat.

Dass sie Bruno, nachdem sie sein Auto mit rasanter Nonchalance zerdeppert hat, in ihrem Wagen mitnimmt, diese Fahrt in einem verheerenden Unfall enden lässt, ihren unglücklichen Beifahrer damit ins Krankenhaus befördert, selber aber keinen Kratzer abbekommt, ist der Anfang eines haarsträubend komischen Katz-und-Maus-Spiels auf der Bühne.

Das Stück steht mit der Regie und der Darstellungskunst. Wieder einmal erweist sich Helmuth Fuschl als Meister des Timings und der geschmackssicheren Umgehung von Peinlichkeits-Fallen, die in solchen erotisch angehauchten Stücken überall lauern. Heinrich Schafmeister spielt den gebeutelten Bruno mit Mut zur Karikatur. Er wirkt fast wie eine Disney-Figur irgendwo zwischen Donald Duck und Goofy.

Er kann wunderbar die Augen unterschiedlich groß machen und mit einem Fragezeichen im Gesicht gucken, etwa wenn Eva esoterisches Zeug redet, wie: „Ich weine nicht, weil ich unglücklich bin; ich weine, weil ich nicht mehr glücklich bin.“ Durch das blendende Lächeln und das persönlichkeitsstarke, dynamische Spiel von Elke Winkens als blondes Gift Eva wirkt Bruno nicht wie ein Hanswurst, sondern wie ein Opfer in den Klauen eines schönen Biests.

Sehr überzeugend spielt auch — trotz kurz vor der Premiere gebrochenen Fußes — Jens Knospe Evas Ehemann Mario, der die Spielchen seiner Frau schon auswendig kennt und die Gattin mit fast britischem Wortwitz auflaufen lässt.