Kom(m)ödchen: Der Broadway funkelt noch nicht

Kom(m)ödchen: Der Broadway funkelt noch nicht

Die neue Kabarett- und Talkreihe „Brodowys Broadway“ ist am Sonntag gestartet.

Düsseldorf. Die Fußspuren, in die Matthias Brodowy tritt, sind ziemlich groß. Mit „Brodowys Broadway“ beerbt er die beliebte Reihe „Ehrings Stipp“ von Kabarettist Christian Ehring, die nach fast vier Jahren Spielzeit im Frühjahr ausgelaufen ist.

Etwas schüchtern wirkt er Anfangs noch, als er am Sonntag auf die Bühne stürmt, dem Publikum ein hastiges “Guten Abend“ zuruft und sich sofort hinter dem Piano verschanzt und zu spielen beginnt. Die zweite Nummer ist bereits aktuelles Kabarett. Am Tag der „völlig überraschenden Putin-Wahl in Russland“ lässt es sich Brodowy nicht nehmen, mit Gerhard Schröder den Hannoveraner Busenfreund des russischen Präsidenten zu persiflieren.

Danach gibt er erstmal an seinen Gast, Ecco Meineke, Ensemblemitglied der Lach- und Schießgesellschaft, ab. Der befindet sich gerade auf einer fiktiven Oscar-Verleihung, als Brad Pitt bei ihm anruft. Leider ist der Empfang eben so schlecht wie Meinekes Englisch: „Are you in the Funkhole“, fragt er?

Meineke ist nicht zimperlich, er schreckt auch vor Kalauern wie diesem nicht zurück: Beim Friseur lässt sich die Dame die Haare jetzt griechisch schneiden — abgestuft nämlich. Und dann passiert etwas, womit man gar nicht mehr gerechnet hätte. Meineke zeigt, dass er auch ein richtig gutes, leises, politisches Kabarett beherrscht.

Der vom Publikum mit Spannung erwartete Talk zwischen Brodowy und der Kabarettistin Gerburg Jahnke will dagegen nicht so richtig zünden. „Gibt es bei dir auch spannende Tourneegeschichten“, fragt Brododwy, dann plaudern die sie übers Doppelkopf spielen. Beim gemeinsamen Duett am Piano laufen dagegen beide zur Höchstform auf.

Auch Brodowys eigene Kabarett- und Comedyperformance kommt zum Ende hin immer besser in Schwung. Einzig der Auftritt von NDR-Puppenkünstler Detlef Wutschik alias Werner Momsen bleibt auf dem Niveau von gespielten Ostfriesen-Witzen. Die Premiere von Brodowys Broadway war noch nicht der ganz große Wurf, er zeigt aber, dass er großes Potential hat und sich vielleicht nur noch frei schwimmen muss.

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