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Klaus Maria Brandauer las aus Wagners "Pilgerfahrt zu Beethoven"

Klaus Maria Brandauer las in der Tonhalle : Eine Huldigung für Ludwig van Beethoven

Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer las in der Tonhalle aus Richard Wagners spannender Schrift „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“.

Keinen Komponisten hat Richard Wagner so sehr verehrt wie Ludwig van Beethoven. Als Beethoven starb, war Wagner gerade einmal vierzehn Jahre jung – so kann die von ihm beschriebene Reise zu seinem Idol von Leipzig nach Wien nur eine fiktive sein. Doch nimmt er mit seiner packenden Schilderung der Irrungen und Wirrungen auf dem Weg durch Deutschland und Österreich den Zuhörer in einer so anschaulichen Weise mit, dass dieser sich eingebunden fühlt und immer wieder versucht ist, an reale Erlebnisse zu denken.

Das konnte in der im Parkett gut besetzten Tonhalle allerdings nur gelingen, weil in Klaus Maria Brandauer ein hervorragender Rezitator verpflichtet worden war, der mit makelloser Diktion, ausdrucksstarker Mimik, natürlicher, ungekünstelter Wiedergabe und der reichen Farbpalette seiner angenehmen Stimme die gebannt lauschenden Zuhörer mit auf eine ereignisreiche Reise nahm.

Wagner schreibt dem
Bewunderten einen Brief

Wagner, der den verehrten Komponisten unbedingt kennenlernen will, ist zunächst gezwungen, zwei Jahre lang widerwillig „Galopps nach dem Zeitgeschmack“ zu komponieren, um genug Geld für den langen Fußmarsch zu haben. Unterwegs begegnet er immer wieder einem reichen, sehr aufdringlichen Engländer, der sich nach Wien kutschieren lässt – ebenfalls um Beethoven zu begegnen. Schließlich logieren beide in Wien in der Nähe von Beethovens Wohnung und lauern dem scheuen Tonsetzer, der nur selten sein Haus verlässt, in einem Biergarten auf.

Die Begegnung verläuft unbefriedigend, da der arrogante Engländer jedes Feingefühl vermissen lässt. Deshalb schreibt Wagner dem Bewunderten einen Brief und erhält tatsächlich eine Antwort mit einer Einladung für den nächsten Tag. Auch da muss er zunächst den sich auch als komponierenden Dilettanten outenden Widersacher abschütteln – doch dann kann er endlich seinem Idol lauschen.

Optisch ist Wagner zwar alles andere als vertrauenerweckend – mit nachlässiger Kleidung und wirren Haaren –, doch was er mit fast gebrochener Stimme zu sagen hat, fesselt den jungen Mann sehr. Beethoven, inzwischen völlig ertaubt, ist fast am Ende seines Lebens, bekennt sich als ungeeignet, eine Oper zu komponieren, kündigt seine „Neunte“ an, für deren Schlusschor er den bekannten Schillertext gewählt hat, und beklagt, häufig verkannt worden zu sein. „Wenn ich so komponieren würde, wie ich wollte, möchte mich niemand hören.“ Mit durchgehend brüchiger Stimme wusste Brandauer diese Lebensklage des einsamen und verbitterten Komponisten zu vermitteln. Es waren die ergreifendsten Momente des Abends.

Sebastian Knauer, der gut eine Stunde lang, am Flügel sitzend, seinem Kollegen aufmerksam zugehört hatte, schloss ohne Pause die Klaviersonate Nr.14 cis-Moll an, die der Kritiker Ludwig Rellstab sehr zum Missfallen ihres Schöpfers mit „Mondscheinsonate“ bezeichnet hat. „Dabei habe ich doch den ersten Satz nachts am Totenbett eines Freundes improvisiert“, gab Beethoven zu bedenken, der im übrigen meinte ,„doch viel Besseres“ komponiert zu haben und sich wunderte, dass ausgerechnet die cis-Moll-Sonate soviel Anklang finde.

Knauer gab dem Kopfsatz die nötige Zartheit und Innigkeit bei ausdrücklicher Beachtung der Mittelstimmen. Das lyrische Scherzo, das Franz Liszt „ die Blume zwischen zwei Abgründen“ genannt hat, leitet über in das rasante Presto mit seinen Seelenqualen. Hier überzeugte der Pianist mit pochender, fast quälender Intensität und makelloser spieltechnischer Ausgewogenheit.

Das Publikum dankte ausdauernd und mit großer Herzlichkeit.