Tonhalle : Klassik für Kids

Freude an Musik ist kein Privileg des Bildungsbürgertums. Das zeigt das Projekt „Tonhalle geht aus“ in Garath.

Düsseldorf. Fünf Stunden Schule und Hausaufgaben haben die Kinder hinter sich, als sie im Keller der Freizeitstätte Garath auf Stephanie Riemenschneider warten. Sie ist die Frau, die ihnen zeigt, wie viel Musikalität in Tschatschabumm steckt; und für Tschatschabumm haben sie immer noch genug Energie gehabt. Die Tonhalle ist mit ihrem Programm „Tonhalle geht aus“ im zweiten Jahr. Nachdem sie zunächst in Hassels gestartet sind, gehen Künstler wie Soloharfenistin Sophia Schwödiauer oder Schlagzeuger Ralf Zartmann und Musikpädagogen nun nach Garath und demonstrieren, dass Freude an der Musik nichts mit einem bildungsbürgerlichen Hintergrund zu tun hat.

Die Tür ist noch zu, als sich die Kinder an diesem Nachmittag in der Freizeitstätte treffen, und Warten macht so gar keinen Spaß. Die Jungs albern herum und knuffen einander. Nichts Ernsthaftes, es ist eher die Aufregung, dass gleich wieder probiert wird, was am 18. Juni beim Sonnenradfest in Garath auf die Bühne kommt. Auch das steckt hinter dem Projekt, das von der Bürgerstiftung finanziert wird: Kinder, die keinen direkten Zugang zur Kultur haben, lernen, selbst Musik zu machen, zu tanzen, sich auszudrücken, und das wird dann angeschaut. Die Eltern und Freunde kommen, vielleicht ein paar Mitschüler, sicher auch Fremde. Das ist nicht selbstverständlich, denn es gibt Schulen in sozial belasteten Stadtteilen, da finden Sommerfeste oft ohne Eltern statt. Weil sie keine Zeit oder keine Lust haben. Zurück bleiben tieftraurige Kinder. „Bei unseren Konzerten ist das glücklichweise nicht so, daran nehmen auch die Eltern gerne teil“, sagt Stephanie Riemenschneider. Unterstützung kommt von Maren Siegel und ihrem Team. Sie haben die Zuschauer im Stadtteil persönlich angesprochen oder angeschrieben und eingeladen.

Als Riemenschneider die Kinder schließlich hereinbittet, suchen die sich sofort einen Platz. Gespannt sind sie, was es heute zu tun gibt. Konzentriert und gar nicht mehr so hibbelig wie sonst. Los geht’s: tschatschabumm tschatschabumm. Riemenschneider spielt eine Version für Percussion von Pharell Williams „Happy“. Wann wird auf die Oberschenkel geklatscht? Wann dürfen wir richtig laut rufen, wann müssen wir leise sein? Musikkunde für Kinder, die gerne zuhören und amüsiert den Anweisungen von Riemenschneider folgen, die bei ihrem Einsatz schauspielerisches Talent beweist.

Als die Konzertpädagoginnen Stephanie Riemenschneider und Ariane Stern vor einer Weile bei der Freizeitstätte Garath nachfragten, ob sie dort mit ihrer „Tonhalle geht aus“ Station machen dürften, liefen sie bei Maren Siegel offene Türen ein. Sie leitet die Freizeitstätte seit mehr als zwei Jahren, hat die Infrastruktur für solche Angebote im Haus und ist bestens mit der Organisation der OGS vertraut. Die Freizeitstätte ist der perfekte Ort, war man sich schnell einig. Für die Kinder stehen in den kommenden Wochen zwei Highlights an: der Auftritt beim Fest in Garath am 18. Juni ab 11 Uhr und der Besuch des Familienkonzerts in der Tonhalle am 21. Juni, zu dem sie und ihre Eltern freien Eintritt haben.

Für die meisten Kinder und auch ihre Eltern dürfte es das erste Mal sein, dass sie einen Konzertsaal dieser Kategorie betreten. Dass es nicht das letzte Mal sein wird, hoffen die Organisatoren. „Wir haben hehre Ziele“, sagt Maren Siegel. Aber sie versteifen sich nicht darauf. „Die Kinder haben ein paar wunderschöne Stunden, das allein ist schon sehr viel wert“, sagt Riemenschneider.