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Klamauk: Helge stochert im Seichten

Klamauk: Helge stochert im Seichten

Der Entertainer liest im Savoy Theater aus seinem neuen Roman „Eine Liebe im Sechsachteltakt “ – herrlich.

Düsseldorf. Helge Schneider legt ein erstaunliches Tempo an kreativem Ausstoß vor. Obgleich er seit Ende 2006 auf Tournee ist, hat er Zeit gefunden, schon wieder ein Buch abzuliefern. Es ist das mittlerweile Zehnte, das den Schreibtisch des 53-Jährigen verlässt. "Eine Liebe im Sechsachteltakt - Der große abgeschlossene Schicksalsroman von Robert Fork" ist eine für Schneider typische Ansammlung von großartigen Absurditäten. Herrlich zu lesen und noch herrlicher zu hören, wenn der Autor selbst aus seinem Werk liest.

So geschehen im Savoy Theater, wo Helge vor fast ausverkauftem Haus durch die nicht vorhandenen Handlungsstränge um die Protagonisten Wolfgang Kollendorf, einem früheren Star-Chirurgen mit Alkoholproblem, und seiner unglückliche Liebe Angelique Tessier pflügt, die sich leider direkt zu Beginn mithilfe eines Pferdes das Leben nimmt.

Mit diesem Roman zwischen Schwarzwaldklinik und Hera Lind hat sich Helge Schneider nach dem Krimi, der Dokumentation und der Biographie auch noch das ganz seichte Genre erobert. Thematisch dem Vorgänger nicht unähnlich, damals ging es um die Bekenntnisse eines chilenischen Heiratsschwindlers, bereichert Helge sein aktuelles Opus vor Publikum um viele Requisiten. Ein Freizeithemd umhüllt den schmächtigen Brustkorb, daran baumelt eine mächtige Sonnenbrille. Aus seinem 50er-Jahre-Köfferchen kramt Helge Buch, Lesebrille und Reisewecker hervor, letzterer soll ihm zur Pause ein Zeichen setzen: "Wir wollen ja alle schnell wieder nach Hause." So lebt Helge Schneider zum Gläschen Wein sein Faible für Senioriges wieder ungehemmt aus, aalt sich im ältlichen Getue eines Opas, der seinen Enkeln eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest.

Sein Vortrag ist durchsetzt von Albernheiten, er verstellt die Stimme, dichtet hinzu, kommentiert und zelebriert seinen ganz persönlichen bunten Abend. Die zweite Hälfte des Auftritts gerät ihm wie so oft erst richtig. Spontaner, geistreicher und schriller wird es, wenn er wahllos Sentenzen aus dem Buch zitiert, schräge Zusammenhänge erzeugt und diese wieder kümmerlich vor die Hunde gehen lässt.

Zum Schluss wird sogar Autorenbefragung zum Werk gespielt. Und wie es nur ein Helge Schneider kann, verwandelt er die unscheinbare Frage aus dem Saal "Worauf bezieht sich der Titel?" innerhalb eines Sekundenbruchteils in ein Sprungbrett für seine Antwort, die den Abend in einem lachenden Aufschrei enden lässt: "Der Titel bezieht sich auf - das Buch!"