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Kino-Tipps: Die Filme der Programmkinos in der Einzelkritik

Programmkinos : Veganer Zoofilm und Politikerinnen in Saudi-Arabien

In den kommenden Tagen gibt es unter anderem „Rettet den Zoo“ und „Die perfekte Kandidatin“ zu sehen.

Rettet den Zoo Diese südkoreanische Produktion ist der erste vegane Zoofilm. Jedenfalls ließe sich die Story der kuriosen Rettung eines Tierparks so beschreiben. Der angehende Anwalt Tae-soo erhält einen heiklen Auftrag als Bewährungsprobe: er soll den kurz vor der Pleite stehenden Zoo für drei Monate über Wasser halten, bis er lukrativ verkauft werden kann. Doch was Tae-soo dort erblickt, sieht alles andere als leicht aus. Die Tiere sind alle verkauft und neue zu beschaffen würde Monate dauern. Als er seinen Kummer im Suff ertränken will, kommt ihm eine verwegene Idee: er steckt die Angestellten in Tierkostüme. Das Projekt scheint zu scheitern, doch dann greift ein durstiger „Eisbär“ zur Cola-Flasche, ein Zuschauer filmt und bald ist das Video im Internet der Hit. (Metropol, tgl. 17 Uhr, am Mi. im kor. OmU)

Man from Beirut Ein blinder Killer unterwegs zum Auftragsmord in Berlin? Das kann ins Auge gehen, tut es auch. Obwohl der Film von Christoph Gampl und Boris Naujoks das Genre gegen den Strich bürstet und sich mit schwarzweißen Bildern im 4:3-Format als Hommage an Klassiker andient, bleibt die mit Klischees gespickte Story im Multikulti-Milieu in ihrem simplen Muster und chargierenden Darstellern (Kida Kodr Ramadan, Blerim Destani und Susanne Wuest) stecken: Der Killer versagt zum ersten Mal, da er sein Opfer zwar eliminiert, aber dessen kleine Nichte nicht. Er „adoptiert“ die Kleine quasi („Leon der Profi“ lässt grüßen) und jetzt wollen die Auftraggeber die Zeugin und den unzuverlässigen Hitman loswerden. Auf die Flüchtigen wird eine Killerin angesetzt. . . (Atelier, Fr./Sa. 22 Uhr)

Eine Geschichte von drei Schwestern Eine Arbeitsstelle in der Stadt scheint der einzige Ausweg aus der unwirtlichen Enge ihrer anatolischen Heimat. Doch nachdem die 20 Jahre alte Bergbauerstochter Reyhan bereits von ihrem Arbeitgeber, dem Arzt Necati, wegen einer Liebschaft zurückgeschickt wurde, ist es diesmal die 16-jährige Nurhan, die soll seinen bettnässenden Sohn geschlagen haben. Während der Dorfvorsteher, der Bergbauer Sevket und Necati darüber beraten, ob nun die jüngste Tochter die Stelle antreten soll, geraten sich die drei Schwestern in die Haare. Vor erhabenen Naturaufnahmen aus den anatolischen Bergen inszeniert Emin Alper sein Schwesterndrama dialoglastig und langatmig zu einer Geduldsprobe. (Metropol, tgl. 20 Uhr, am Mi. im türk. OmU)

The Gentlemen „Back to the roots“? Rund 20 Jahre ist es her, da sorgte der britische Newcomer Guy Ritchie mit einem richtungsweisenden Debüt für Furore. „Bube, Dame, König, grAS“ präsentierte den Ganovenfilm des 21. Jahrhunderts: rabenschwarzer Humor, schnelle Schnitte und ein haarsträubender Coup. Nach einem ausgedehnten Ausflug nach Hollywood (und einer turbulenten Ehe mit Madonna) kehrt Ritchie mit „The Gentlemen“ zu seinen Wurzeln zurück — freilich mit illustrer All-Star-Besetzung. Der amerikanische Gangster Mickey Pearson (Matthew McConaughey) beherrscht in London das Marihuana-Geschäft, doch nun will er sich aus dem Drogengeschäft zurückziehen und sich auf seine Ehe mit Rosalind konzentrieren. Der verschrobene Milliardär Berger will im das Unternehmen abkaufen, doch auch die Londoner Unterwelt möchte sich das Geschäft unter den Nagel reißen. Es beginnt ein turbulenter Machtkampf voller Tricks und Finten. (Atelier, Fr./Sa./Mi. um 19 Uhr, So./Mo./Di. um 20 Uhr, So. im engl. OmU)

Die perfekte Kandidatin Mit „Das Mädchen Wajda“ hatte die Regisseurin Haifaa al Mansour Aufsehen erregt. Eine Filmemacherin aus Saudi-Arabien, die sich für Frauenrechte einsetzt. Das klingt aus dem erzkonservativen Wahabitenreich exotisch. Doch damit öffneten sich die Türen nach Hollywood. Nach „Mary Shelley“ und der Netflix-Produktion „The Society“ kehrt al Mansour, die mittlerweile in Bahrain lebt, in ihre „Heimat“ zurück und konzentriert sich auf die Rolle der Frau in Saudi-Arabien. Die Ärztin Maryam möchte sich auf eine Stelle in Dubai bewerben, doch eine Formalität verhindert den Abflug: es fehlt die schriftliche Erlaubnis des Vaters, reisen zu dürfen. Also bleibt sie da und beschließt, ihr Dasein in Saudi-Arabien zu verbessern. Sie kandidiert kurzerhand für ein Amt im Stadtrat, damit ihre Klinik endlich eine richtige Straßenanbindung  bekommt. (Metropol, tgl. 17 Uhr)

La Vérité – Leben und Lügen lassen In den Dramen des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda hängt der Familiensegen meist schief. Das war auch zuletzt in seinem in Cannes ausgezeichneten „Familienbande – Shoplifters“ so. Sehr viel bürgerlicher geht es in seiner ersten europäischen Produktion zu — und gefälliger. Die Schauspielerin Fabienne (Cathérine Deneuve) ist Star und in erster Linie ihrem Image verpflichtet. Als Lumir (Juliette Binoche) die Autobiographie ihrer Mutter liest, traut sie ihren Augen nicht: Fabienne beschreibt sich selbst als aufopferungsvolle Mutter. Das hatte Lumir, die mittlerweile als Drehbuchautorin in der Filmbranche arbeitet, als Kind ganz anders erlebt. Im Film läuft dreht sich um die Deneuve und an diesem Denkmal will keiner wirklich kratzen, höchstens mit sanfter Ironie. (Bambi, tgl. 18.15 Uhr, am Di. im frz. OmU)

New York – Die Welt vor deinen Füßen „The Big Apple“, Schritt für Schritt. Matt Green hat sich eine kuriose Idee in den Kopf gesetzt. Er will die Straßen seiner Wahlheimatstadt abgehen — alle. Im Jahr 2012 begann er das Projekt und lief über 15 000 Kilometer über das Pflaster von New York City. Er gab seinen Job, seine Beziehung und seine Wohnung auf. Sein sechsjähriges Wanderleben finanzierte der Mega-Flaneur über Spenden an sein Blog „I’m just walking“ und er lebte in den Wohnungen von Freunden und Förderern, schlief auf Sofas, Billardtischen oder im Keller. Er passte auf dutzende Katzen und ein paar Hunde auf und beobachtete das Leben und Treiben auf der Straße.  Jeremy Workman begleitete die Tour mit der Doku-Kamera: eine ganz neue entschleunigte Sichtweise auf die Stadt, die niemals schläft. (Metropol, Sa./So. 14 Uhr, engl. OmU)