Kino-Jubiläum: Im kleinen Bambi läuft große Filmkunst

Kino-Jubiläum: Im kleinen Bambi läuft große Filmkunst

Vor 50 Jahren eröffnete an der Klosterstraße eines der kleinsten Kinos der Stadt. Der Mahagonisaal ist unverändert.

Düsseldorf. „Was für ein Kasperletheater.“ So lautete der erste Gedanke von Udo Heimansberg, als er das neu eröffnete Kino an der Klosterstraße vor 50 Jahren betrat. Das fachkundige Urteil eines Sechsjährigen. Schon damals verstand sich der heutige Betreiber als Experte der Filmkunst.

Udo Heimansberg und das Namensgeber-Bambi im heutigen Foyer. Foto: Thomas Bernhardt / Judith Michaelis

Dass er diesen mit feinem Mahagoniholz vertäfelten Saal einmal selbst bespielen würde, kam ihm damals noch nicht in den Sinn. Spätestens aber als der Vorbesitzer den Studenten Heimansberg bat, die Filme auszuwählen, hat der junge Cineast den Charakter des Kinos mitgeprägt. „Dafür gab es freien Eintritt“, erinnert er sich mit trockenem Humor.

In den 80ern war das Kinobistro ein Treffpunkt. Foto: Melanie Zanin

Seit 2000 gehört ihm das Lichtspielhaus mit zwei Sälen und insgesamt 213 Plätzen. Eine Geschichte, die im Rückblick gar nicht anders hätte verlaufen können, so scheint es. Kommt Heimansberg ins Plaudern, möchte man meinen, er hat tatsächlich die vergangenen 50 Jahre im Kino verbracht. „West Side Story“, das war der Film, den er 1964 im Bambi gesehen hat. „Perlen der deutschen Filmkunst“ liefen zuvor, Rechte für Erstaufführungen hatte das Kino nicht. „Vom Winde verweht“ und „Laurel und Hardy“, die im Bambi den deutschlandweit verbreiteten Titel „Dick und Doof“ bekamen, gehörten dazu.

Später hat das wandelnde Filmlexikon Heimansberg hier sein Wissen gesammelt: „Zweimal die Woche war ich da und habe alles gesehen von François Truffaut über Luis Buñuel und die Ersten von Clint Eastwood.“ Ganz abgesehen davon, dass Düsseldorf zu dem Zeitpunkt noch viele Kinos zu bieten hatte, und Heimansberg auch in den anderen Sälen Stammgast war.

„Einmal musste ich mich zwischen Ben Hur im Kristallpalast und Porgy and Bess im Bambi entscheiden, da hätte ich mir fast die Pulsadern aufgeschnitten.“ Wer den großgewachsenen Schnellredner ein bisschen kennt, der weiß, Ben Hur hat das Rennen gemacht. „Aber die Filme gab es ja alle nicht auf DVD. Ben Hur lief erst wieder fünf Jahre später und Porgy and Bess kam gar nicht mehr ins Kino.“

Was sich über die fünf Jahrzehnte gehalten hat, das sei die eher intellektuelle Ausrichtung des Publikums. Und wer ins Bambi geht, der geht auch eher nicht ins Metropol an der Brunnenstraße, das wie drei weitere Häuser zu den Düsseldorfer Filmkunstkinos gehört, die Heimansberg zusammen mit Kalle Somnitz betreibt. „Das ist wie Star Wars und Star Trek, da geht nur entweder oder.“

Nur eine Sache, die hat den leidenschaftlichen Kinogänger seit Anfang an am Bambi gestört: „Es gab unten rechts eine Unschärfe im Bild.“ Das war ein bauliches Problem, das inzwischen auf den beiden Leinwänden aber keine Rolle mehr spielt. Seit eineinhalb Jahren ist hier die digitale Technik eingezogen und mit ihr eine neue Bild- und Tonqualität. Selbstkritisch gibt er zu: „Mir ist das zu manchen Zeiten schwergefallen, aber jetzt kann ich das Bambi den Kinoliebhabern wieder empfehlen.“ Ein Kinoerlebnis des neuen Jahrhunderts im Flair der 60er.

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