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Kid Rock: Ein genialer Bühnen-Prolet

Kid Rock: Ein genialer Bühnen-Prolet

Der coole Südstaaten-Rocker beeindruckt in der Philipshalle als vielseitiger Musiker.

Düsseldorf. Großartige Musik hat meist die simpelsten Zutaten: Sie ist geradlinig, rücksichtslos, sie maßt sich nicht an, die Welt zu retten. Kid Rock, lange, zu lange in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland lediglich der Gespiele und Kurzzeit-Ehemann von Pamela Anderson, brauchte am Sonntagabend nur seine erprobte Twisted Brown Trucker Band und eine eher kleindimensionierte Diskokugel unter dem Dach der Philipshalle, fertig ist die Bühnenshow.

Der 37-Jährige gibt gerne den Bühnen-Proll, das American-Bad-Ass, wie es in einem seiner Lieder heißt. Dabei beherrscht Kid Rock ein Dutzend Instrumente, in der Philipshalle spielt er Soli am Klavier, an der Akustik-Gitarre, am Schlagzeug. Kid Rock, 1971 als Robert James Ritchie in der Nähe von Detroit in Michigan geboren, schafft mühelos den Spagat zwischen Hard und Southern Rock, Blues und Country gefärbten Balladen, Rap und Hip-Hop.

Der Durchbruch kam für ihn 1998 mit dem Album "Devil Without A Cause", das sich allein in den USA zehn Millionen Mal verkaufte. Inzwischen summieren sich seine weltweiten Verkäufe auf mehr als 25 Millionen Tonträger. Großartig als Musiker ist Kid Rock immer bei den leisen, instrumental-lastigen Stücken.

Immer wieder verbastelt er zwischen Rap und Hip-Hop klassischen Honky-Tonk. Neo-Traditionalismus, der in der Philipshalle von entzücktem Gejohle begleitet wird.

So widersprüchlich sein gepflegtes Proleten-Getue auf der Bühne zu seinem musikalischen Können steht, so widersprüchlich ist auch seine Rezeption in Deutschland. Auf der einen Seite bescherte sein genialer Mix "All Summer Long" aus Warren Zevons "Werewolves Of London" und Lynyrd Skynyrds "Sweet Home Alabama" dem Südstaatenrock-Musiker einen veritablen Nummer-eins-Hit und hievte das aktuelle Album "Rock ’n’ Roll Jesus" gleich in mehreren Ländern, darunter auch in Deutschland, auf vordere Chartplätze.

Gleichzeitig ist die Philipshalle bei dem einzigen Konzert des Musikers in NRW nur schwach besucht. Gerade einmal 2500 Fans sind da. Das Publikum ist erstaunlich gemischt. Von den zu erwartenden Kutten-Trägern mit Tattoos vom Hals abwärts bis zum Krawattenträger ist alles dabei. Und gesittet geht es zu. Geleerte Bierbecher werden ordentlich gestapelt - und als das Spektakel nach 110 Minuten vorbei ist, gehen alle brav nach Haus.