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„Keine Leiche ohne Lily“ hatte Premiere in der Komödie Steinstraße.

Premiere in der Komödie : Als die Putzfrau kurz ihren Chef tot vorfand

Das Stück „Keine Leiche ohne Lily“ von Jack Popplewell hatte umjubelte Premiere in der Komödie an der Steinstraße.

Die neue Theaterleiterin strahlte. Verena Wüstkamp, die als Schauspielerin der Komödie an der Steinstraße seit Jahren verbunden und dem Publikum bestens bekannt ist, übernahm in schwieriger Zeit die Verantwortung für das Haus. Und jetzt gab es dort wieder eine Premiere ganz nach ihrem Geschmack. „Keine Leiche ohne Lily“ ist ein Stück des englischen Erfolgsautors Jack Popplewell. Schon der doppelbödige Titel gibt einen Vorgeschmack auf die zahlreichen Verwicklungen der Kriminalkomödie.

Reinemachfrau Lily meldet sich eines Abends bei Scotland Yard, weil sie bei der Arbeit im Büro die Leiche ihres Chefs Richard Marshall gefunden hat. Den mag sie nicht besonders, dafür aber ist sie begeistert von der Idee, bei der Aufklärung eines offensichtlichen Verbrechens aktiv mitzuhelfen. Doch als der Polizeiinspektor erscheint, ist die Leiche weg. Mist. Am sogenannten Tatort deutet auch überhaupt nichts auf ein blutiges Geschehen hin. Und dann taucht Marshall auch noch sehr lebendig wieder auf. Die putzende Zeugin wirkt zunehmend unglaubwürdig. Wer aber denkt, Lily ließe sich durch ein fehlendes Corpus Delicti in ihrem Eifer bremsen, irrt gewaltig.

Tatsächlich findet man plötzlich eine Leiche. Es ist der Geliebte von Mrs. Marshall, die sich bei den ersten Verhören sehr einsilbig gab. Jetzt ist Lily voll in ihrem Element und mischt sich munter ein in die Ermittlungen. Sie stellt die richtigen Fragen, entwickelt blitzschnell neue Strategien zur Aufklärung des Mordfalls und lässt sich bei dieser Arbeit von niemandem stören. Am wenigsten von Inspector Harry Baxter. Den kennt sie nämlich schon, seit die beiden noch zur Schule gingen.

Schon bald füllt sich Marshalls Büro mit weiteren Personen, die alle im Zusammenhang mit dem Fall stehen könnten. Da ist zum einen die in ihren Chef verliebte Sekretärin Marian Selby. Die wiederum eifersüchtig ist auf Victoria Reynolds, die als zweite Bürokraft eigentlich kaum zu gebrauchen ist, dagegen die Rolle des verführerischen Blondchens sehr offensiv spielt. Und da ist der aalglatte Robert Westerby. Auch er hat in Marshalls Firma ein Büro, scheint aber vor allem an der Frau seines Chefs interessiert.

Unter der quirligen Leitung der Putzfrau und der immer mehr ins Abseits geratenden Beamten von Scotland Yard entwickelt sich das zweistündige Geschehen rasant bis zum Finale furioso. Jack Popplewells Boulevard-Klassiker ist ein sogenanntes Well-made Play, bei dem der Handlungsstrang schlüssig bleibt, mit genau platzierten Wendungen zum Spannungserhalt.

Für andauernden Erfolg seit den 60er-Jahren sorgt aber vor allem ein Feuerwerk an Sprachwitz. Dieser führte in Deutschland zu immer neuen, der Zeit angepassten Übersetzungen. Zahlreiche Heimatbühnen konnten in dem Stück mit der Ausdruckskraft ihrer Dialekte punkten. Der englische Titel dieser Komödie lautet „Busybody“. Dahinter verbirgt sich vielerlei: ein Wichtigtuer, ein Naseweis, einer, der sich überall einmischt. Das Wort gilt aber auch als abfällige Bezeichnung für Whistleblower.

Für britisches Flair sorgt an der Steinstraße das im Büro hängende Porträt der Königin. Im Foyer des Theaters wäre aber derzeit ein Porträt der Schauspielerin Petra Nadolny durchaus angebracht. Als Putzfrau Lily Piper zeigt sie eine unglaubliche Präsenz. Allein wie sie ihren Kollegen Alexander von der Groeben in der Rolle des etwas unbeholfenen Polizeiinspektors umgarnt, besänftigt und anstachelt, ist ein Theatererlebnis.

In der Regie von Christof Düro spielen auch Katrin Höft (Claire Marshall), Michael Schäfer (Richard Marshall), Ilka Luza (Marian Selby), Slim Weidenfeld (Robert Westerby) sowie Anna Röser (Victoria Reynolds). Und da gibt es noch Christian Miedreich in der herrlich nostalgischen Uniform eines echten Bobbys. Begeisterung beim Premierenpublikum.