1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Käutner-Preis für Christoph Schlingensief: Die Heilkraft der Kunst

Käutner-Preis für Christoph Schlingensief: Die Heilkraft der Kunst

Christoph Schlingensief ist einer der produktivsten Theatermacher und Aktionskünstler – ein Porträt.

Düsseldorf. Für Patti Smith ist er der "wahre Peter Pan", für die Afrikaner der "Deutsche mit der komischen Frisur". In Burkina Faso baut Christoph Schlingensief derzeit ein Festspielhaus mit integrierter Kunstschule. Denn er ist ein Träumer, ein Moralist und ein Idealist, der sich von den Widrigkeiten des Lebens in seinem Gestaltungswillen und seiner überschäumenden Kreativität nicht bremsen lässt. Auch nicht von einer Krebserkrankung. Nächsten Dienstag erhält Christoph Schlingensief den mit 10000 Euro dotierten Käutner-Preis der Stadt Düsseldorf.

2008 erfuhr er, dass er Lungenkrebs hat. Seitdem bestimmen Themen wie Sterben, Tod und Wiedergeburt sein künstlerisches Werk. Seine Zeit im Krankenhaus verarbeitete der künstlerische Tausendsassa in dem Buch "So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein". Wie sehr er das Leben liebt, das hat er vorher nicht gewusst, sagt er in einem Interview.

Sein Fluxus-Oratorium "Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", das er bei der RuhrTriennale 2008 uraufführte, beschäftigte sich ebenfalls mit seiner Krebserkrankung - und polarisierte. Immer wieder schafft es der Filme- und Theatermacher, mit seinen schrägen politischen Performances zu provozieren. Auch in seinen Filmen irritiert er das Publikum mit drastischen Darstellungen, sei es bei "Das deutsche Kettensägenmassaker" oder "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland". Er ist risikobereit, kämpferisch, engagiert, manchmal etwas pubertär mit Hang zum Trash. Aber er weiß immer, wie er sich gut in Szene setzt. Als eloquenter Gesprächspartner ist der Oberhausener gern gesehener Gast in TV-Talkshows.

Denn er inszeniert an den großen Bühnen in Berlin, Wien und Zürich und integriert immer wieder Laien in seine Arbeiten. Selbst einen "Parsifal" ließ man ihn in Bayreuth mit zahlreichen Videoprojektionen in Szene setzen. Aufsehen erregte der heute 49-Jährige vor allem mit seinen Aktionen, sei es, dass er sechs Millionen Arbeitslose dazu aufrief, den Wolfgangsee, Urlaubsort des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, zu fluten, dass er sich mit seiner Partei "Chance 2000" in den Bundeswahlkampf einschaltete oder Asylbewerber in einen Container sperrte.

Mittlerweile ist Schlingensief verheiratet, der Krebs scheint momentan gebannt und der Künstler ganz bei sich angekommen zu sein. Die Heilkraft der Kunst wirkt - hoffentlich.