Kabarett im Zakk: Lästern für die Obdachlosen

Das dritte Kabarettheimspiel am Sonntag war ausverkauft. Acht Künstler sind kostenlos für das Fiftyfifty-Straßenmagazin aufgetreten.

Düsseldorf. Es steht schlecht um Deutschland. Meint zumindest Christian Ehring. Denn was ist das für eine Gesellschaft, in der eine 16-jährige Schülerin ins CDU-Milieu abrutscht?

Ehring, der auf die von-Boetticher-Affäre der Nord-CDU anspielt, trat am Sonntagabend mit sieben anderen Künstlern beim dritten Kabarettheimspiel im Zakk auf. Für das Straßenmagazin Fiftyfifty spielte jeder von ihnen unentgeltlich eine Viertelstunde vor ausverkauftem Haus.

Scharfzüngig, pointiert und höchst aktuell war der Bühnenauftritt von Christian Ehring. Mit seinem politisch-gesellschaftskritischen Kabarett bildete er die Speerspitze der örtlichen Kabarettauswahl. Durch seine Tagesaktualität traf er voll den Nerv der Zeit, in der Handeln und Ambitionen vieler Menschen weit auseinandergehen: „Energiewende nach unserem Gusto: Holland-Rad mit zwölf Zylindern.“

Doch Ehring war nicht als Alleinunterhalter für die knapp 400 Zuschauer engagiert. Den Auftakt machte Horst Fyrguth. Im Plauderton erzählte er von seiner Zivildienstzeit bei den Maltesern, seinen Waldorferfahrungen und von seinem Gewichtsproblem: „Ich bin doch nur ein Dünner im Körper eines Dicken“, versuchte er sich für 20 Kilo Übergewicht zu rechtfertigen. Chancenlos. Seine Frau würde ihm jederzeit entgegnen, er sei ein Dicker, der in den Körper eines Dünnen wolle.

Das Kabarettheimspiel war nicht nur ein Querschnitt durch die heimische Szene, sondern auch durch die schier unendliche Weite des Kabaretts. Während Ehring politisch blieb, gab Jens Heinrich Claasen am Keyboard einen verstörten Mittdreißiger ohne Freunde, Michael Steinke kam im braunen Cordanzug auf die Bühne, um sich an seine Kindheit in den 70ern zu erinnern: Damals seien Mustertapeten noch modern gewesen und Joghurt habe noch nicht mehr Kulturen als seine Käufer gehabt.

Der Krefelder Volker Diefes gab die chauvinistische Rampensau, die den Rat seines Vaters, Männer und Frauen würden einfach nicht zusammenpassen, ernst nimmt. Diefes hat Ersatz gefunden: „Bier hat keine Schwiegermutter, Bier ist immer blond, Bier steht in der Einbauküche, wenn du nach Hause kommst“, sang er zum Discosound aus den Boxen.

Nach der Pause wurde es romantisch: Harry Heib und Jens Heinrich Claasen spielten eine Düsseldorf-Hymne vom Initiator des Abends, Jens Neutag. Da Neutag vor wenigen Tagen Vater geworden ist, war er selbst nicht Teil des Programms.

Seine Worte tönten dennoch mit französischem Akzent durch das Zakk: „Düsseldorf, auf der richtigen Seite vom Rhein, wer will schon Kölner sein? Gäb’ es Oberbilk und Eller nicht, wäre ich verliebt in dich.“ In dieser Manier wurde zu Claasens Keyboardbegleitung der Stadt gehuldigt, für dessen Obdachlose im Zakk gespielt wurde.

Dem Publikum hat’s gefallen. Auch deshalb haben die Künstler für das kommende Jahr eine weitere Auflage das Kabarettheimspiels in Aussicht gestellt.

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