Junges Schauspielhaus: In der Welt hat Düsseldorf einen guten Namen

Junges Schauspielhaus: In der Welt hat Düsseldorf einen guten Namen

In Australien präsentierte Stefan Fischer-Fels das Stück „Robinson & Crusoe“.

Düsseldorf. "Es war gigantisch". Stefan Fischer-Fels sucht nach Worten, die seine Begeisterung fassen könnten. "So etwas macht man wohl nur einmal im Leben", sagt der künstlerische Leiter des Jungen Schauspielhauses.

Als einziges Kinder- und Jugendtheater Deutschlands und als eines von vier europäischen Häusern reiste er und sein Team nach Australien. In Adelaide stellten sie die Düsseldorfer Produktion "Robinson & Crusoe" vor.

120 Länder waren bei diesem weltweit größten Jugendtheaterfestival vertreten. Und es gab großes Lob, berichtet Fischer-Fels stolz.

Fünfmal haben die beiden Darsteller Xolani Mdluli und Christof Seeger-Zurmühlen das eingeladene Tanztheater von Nino D’Introna präsentiert. Sie spielen zwei Fremde, die sich begegnen: zwei Hautfarben, zwei Sprachen.

Zum Ende des Festivals gab es eine Einladung nach Südafrika. "Das wäre mein größter Traum", sagt Fischer-Fels, der zurzeit konkrete Reisepläne zur Fußball-WM 2010 mit der Produktion "The ball is round" schmiedet.

Eigentlich sei der Besuch in Australien charakteristisch für die nun bald zu Ende gehende Spielzeit, erklärt Fischer-Fels. Österreich, Ungarn, Türkei - das Interesse an Stücken des Düsseldorfer Theaters war in diesem Jahr so groß wie nie. Ein Renommee, das auch der Stadt zugute kommen kann, findet der Theatermacher.

Begegnungen mit Autoren und Regisseuren führen zu neuen Kooperationen. "Aber es ist schon komisch, dass man international für Aufsehen sorgt, hier aber an einem Samstag für ein volles Haus kämpfen muss." Schulklassen kommen zwar, doch Stefan Fischer-Fels sieht die Gefahr, dass der Theaterbesuch immer wieder in Vergessenheit gerät.

Seine Strategie für ein gutes Theater ist die Balance zwischen Kontinuität und Wechsel. Und ein großer Wechsel steht im Ensemble an: Vier neue Darstellerinnen kommen, die bisherigen Schauspielerinnen gehen. Julia Dillmann und Leonie Schubert hören auf, weil sie Kinder erwarten.

Die Neuen sind Tina Amon Amonsen, Sina Ebell, Friederike Linke und Viola Pobitschka (siehe Fotos). Die vier männlichen Darsteller bleiben dem Haus erhalten. Im ersten Stück der neuen Spielzeit treten alle acht gemeinsam auf. Nuran David Calis inszeniert "Frühlings Erwachen!" nach Frank Wedeking, Premiere ist am 6. September.

Auf Kontinuität setzt Fischer-Fels auch in der Kooperation mit dem Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz. Wieder gibt es eine gemeinsame Produktion. Frank Panhans, diesjähriger Faust-Preisträger, der in dieser Spielzeit die großartige Inszenierung "Unter hohem Himmel: Parzival" auf die Bühne an der Münsterstraße brachte, führt Kästners Klassiker "Emil und die Detektive" im November im Großen Haus auf.

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