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Junges Schauspiel Düsseldorf zeigt interkontinentales Stück Der Schatz

Theater : Der Schatz am Jungen Schauspielhaus: Theaterstück zu Krieg und Jugend auf drei Kontinenten

„Der Schatz“ wird im Jungen Schauspiel auf der Münsterstraße und in Japan und Brasilien aufgeführt.

Die Enkel-Generation hat das Wort. In „Der Schatz“ sind es zwei Frauen und ein Mann Ende 20/Anfang 30, die über ihre Gedanken zum Thema Krieg sprechen. Das liegt nicht unbedingt auf der Hand, kennen doch die Darsteller Marie Jensen aus Düsseldorf, Lisa Reichmann de Almeida aus Bahia/Brasilien und Ryo Harada aus Kanagawa/Japan Grauen und Schrecken militärischer Konflikte nur aus zweiter, bzw. dritter Hand. In Anknüpfung an die Parabel „Der Schatz unter der Brücke“ aus der Feder von Martin Buber hat Amauri Falseri ein Stück mit drei Figuren geschrieben. Sie sollen ihren persönlichen Schatz finden – ähnlich wie im Text des Religions-Philosophen Buber.

Das Besondere an diesem interkontinentalen Projekt des Jungen Schauspielhauses: Es wird in drei Ländern gezeigt – nach Brasilien, wo die Premiere im September 2019 war, wird es ab dem 14. Februar im Jungen Schauspiel an der Münsterstraße gezeigt. Und im Anschluss daran in Japan.

„An was denkt Ihr, wenn Ihr das Wort Krieg hört?“ – das war die Ausgangsfrage, so Stefan Fischer-Fels (Leiter des Jungen Schauspielhauses), die den drei Schauspielern in drei Städten gestellt wurde. In der Performance verarbeitete Falseti dann die Erfahrungen der Drei. Als Leiter des Cia Paideia de Teatro kreiert er seit 40 Jahren mit brasilianischen Jugendlichen eigene Werke und wurde dafür mit einigen Preisen für beste ‚Kindertheater-Produktionen‘ ausgezeichnet. Regisseur ist der Japaner Kenjiro Otani.

Drei Jugendliche erzählen von ihren Zielen und Ängsten

In „Der Schatz“ treffen sich drei Jugendliche an einem Flughafen. Sie wollen ihre Heimat verlassen, woanders ihr Glück suchen. Sie suchen das Land ihrer Träume. Beim Sicherheits-Check stolpern sie über herumliegende Koffer, finden sich plötzlich in einem Kontrollraum wieder. „Wo willst Du hin und warum?“ will der Grenzbeamte von ihnen wissen. Und nun erzählen die Drei über ihre Wünsche, ihre Ziele und ihre Ängste. Hoffnungen auf die Zukunft? Oder Angst davor? Dabei lassen die Drei auch die dunklen Seiten ihrer Heimat Revue passieren. Neuer Faschismus oder Rechtspopulismus, wie auch unter Brasiliens Präsident Bolsonaro, Umweltzerstörung und atomare Katastrophen. Viele junge Menschen in Brasilien wissen nicht, wie sie auf die einschneidenden Veränderungen und Propaganda des Populisten und Scharfmachers Bolsonaro reagieren sollen, sagt Marie Jensen.

Was ab 14. Februar das Publikum erwartet? Sicherlich keine sprachlastige Arbeit, schmunzelt Marie Jensen, die seit 2018 zum Ensemble des Jungen Schauspiels gehört. Wäre auch kaum vorstellbar bei einem Theaterstück, das mehrere Kontinente umspannen soll. Bewegungen dominieren, sagt sie, „ähnlich wie im Tanztheater.“ So stammt die Choreografie von Chrystel Guillebeaud, einer ehemaligen Pina-Bausch-Tänzerin.

Marie Jensen, die während des Schauspiel-Studiums am Salzburger Mozarteum bereits ihr Praktikum am Schauspielhaus absolvierte (sie trat unter anderem auf in dem Stück „Menschen im Hotel“), schwärmt von der Zeit der Recherche, als sie mit ihren Kollegen japanische Schüler befragte. Fasziniert von Tokyo, einer der größten Städte der Welt, und von dem hohen Maß an Wissen und Bildung, berichtet sie über eine „einschneidende Erfahrung“. Denn japanische Schulen sind für Gäste eigentlich tabu. „Sie haben anfangs Probleme mit Scham,“ sagt Jensen. War der Kontakt aber einmal hergestellt (durch den japanischen Darsteller Ryo), sprachen sie über Ängste vor Katastrophen – wie in Hiroshima 1945 und Fukushima 2011. Sie sind bei Jugendlichen durchaus präsent. Und wurden als mögliche Ursachen genannt bei der Frage „Wofür würdet Ihr Euer Land verlassen?“

Thema Deutschland. Anders als in Japan wurde und wird hierzulande die NS-Vergangenheit intensiv aufgearbeitet. Aber Jensen berichtet auch von Zurückhaltung in der Familie. Ihre Großeltern haben meist geschwiegen über das, was geschah, erzählt die 29-Jährige. Und über das, was sie vom Holocaust wussten oder wissen konnten. „Jetzt sind wir dran. Wir können es vielleicht besser. Denn für unsere Generation ist die NS-Zeit weit weg.“

Der Schatz, Theaterstück von Amauri Falseti. Ab 14 Jahren, Junges Schauspielhaus, Münsterstr. 446. 14., 15. Feb, 19 Uhr, 17. Feb. 9.30 und 11.30 Uhr, 18. Feb., 11 Uhr. Telefon 8523710

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