Junge Orchester beeindrucken bei Big Bang in der Düsseldorfer Tonhalle

Konzert : „Big Bang“: Junge Orchester beeindrucken in der Düsseldorfer Tonhalle mit idyllischen Werken

„Pastorale“ war der Titel dieses „Big Bang“-Konzerts. Besonders die Solisten überzeugten.

„Big Bang 2“, das Konzert der jungen Orchester, wurde diesmal in der Tonhalle unter dem Titel „Pastorale“ präsentiert. Das Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf unter ihrem Leiter Rüdiger Bohn führte Beethovens Symphonie Nr. 6 F-Dur op.68 „Pastorale“ auf. Diesem Titelthema entsprechend konnte man in der Musik idyllische Szenen mit ländlichem Kolorit erwarten, Szenen am Bach, lustiges Zusammensein der Landleute, Sommergewitter und Sturm. Es wurde aber weit mehr geboten. Allein der orchestrale Gesamtklang war ein brillantes Kollektivereignis mit fein abgestuften autonomen Stimmen, großartigen Bläser-Darbietungen vor allem von Flöte und Horn, mit facettenreichem Spiel von Naturklängen wie Vogelstimmen, Blitz und Donner, am Ende des Melodrams „hörte“ man die Sonne scheinen. Es war eine Meisterleistung von Rüdiger Bohn, seit 2005 künstlerischer Leiter dieses Orchesters, der mit erstaunlich unaufgeregten Gesten klanglich ein Optimum an Ausdruck und Wirkung mit seinem Orchester erzielte.

Weniger pastoral, aber immer noch naturverbunden thematisierte der erst 30-jährige Komponist Gregor A. Mayrhofer, der (neben München und Paris) auch in Düsseldorf bei Manfred Trohjan studiert hat, sein „Insect Concerto“, ein Werk, in welchem drei Insektenarten, nämlich die Laubheuschrecke, die Mittelmeergrille und die Zikade „Mitwirkende“, quasi Mitkomponisten sind. Um 75 Prozent ist die Population der Insekten in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen, dieses Werk soll wachrütteln und auf die Problematik des Artensterbens aufmerksam machen. Die „Insektengruppen“ – medial vertreten durch die Streicher und eine gedämpfte Trompete – waren im Konzertsaal verstreut, machten mit kaum noch hörbaren Schüttelgeräuschen ihrer Bögen auf sich aufmerksam, lautmalerisch von einer Sologeige mit hohen Flageolett-Tönen begleitet. Letztendlich verstummten sie nach einem letzten kräftigen Aufbäumen für immer. 2018 hat Mayrhofer in Berlin bereits eine Urfassung mit realen Tieren in Terrarien aufgeführt. In der Düsseldorfer Version wurden die Laute stellvertretend von den Instrumenten übernommen. Beeindruckend und zugleich bedrückend war diese erstmals ohne Insekten vollzogene Aufführung in der Tonhalle.

Besonders beeindruckend waren die Solisten des Abends

Schließlich ist noch von zwei hervorragenden Solisten zu berichten, Matthias Balzat (Neuseeland) glänzte mit fein differenziertem Celloton und ambitionierter Expressivität gerade in solistischen Passagen in Tschaikowskys „Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester A-Dur op.33“.

Yaozong Song (China) beeindruckte mit zupackendem, percussivem Klavierspiel und brillanter Technik in Poulencs „Concerto champètre für Cembalo und Orchester“ (Fassung für Klavier). Beide bekamen frenetischen Beifall, der auch dem ebenso engagierten wie einfühlsam mitgestaltenden Orchester galt.