Julia Stoschek zeigt Burns: Mit der Rettungsdecke der Sonne auf der Spur

Ausstellung in Düsseldorf : Julia Stoschek zeigt Burns - Mit der Rettungsdecke der Sonne auf der Spur

Julia Stoschek zeigt Videos der Amerikanerin A.K. Burns, die mit Licht und leeren Räumen spielt.

A.K. Burns, eine US-Amerikanische Videokünstlerin, erhält ihre Deutschlandpremiere bei Julia Stoschek an der Schanzenstraße in Oberkassel. Sie zeigt drei große Mehrkanal-Videoinstallationen, die dem leeren Raum gelten, aber auch ein Video zur Sonne und zur totalen Sonnenfinsternis. Diese Arbeit entstand in der Wüste von Nebraska, und zwar mit einem veralteten 16-Millimeter-Film, der später auf ein digitales Video transferiert wurde.

Julia Stoschek ist bekannt für ihre technisch absolut perfekt in Szene gesetzten Installationen. Deshalb macht es geradezu Spaß, einen Film zu betrachten, der ausgerechnet mit analogem Material versucht, der Sonne Herr zu werden. Burns hätte dazu einen professionellen Filter gebraucht, den hatte sie aber nicht. So nahm sie eine Rettungsdecke, die die Strahlen filtert, aber auch abprallen lässt.

Die leichtgewichtige Kamera hopst in den Händen der Künstlerin, und wir sehen die Sonne als Mondsichel tanzen. Es ist eigentlich weniger ein Film über die Sonne als über das Filmische. Das Video interpretiert das Licht. Burns ist fasziniert von der riesigen Weite der Wüste und von den kosmischen Dimensionen der Sonne. Zugleich zeigt sie, wie die Sonne sich immer auch zur Finsternis umwandelt. Man sieht zuweilen das Schwarzrotgold, fast wie das Endstück bei früheren Negativfilmen. Da man die Kamera natürlich nicht nur gegen das Licht halten kann, wird auch der Boden belichtet. Und hier zeigt sich eine wunderschöne Landschaft, deren fast vertrocknete Früchte wie surreale Symbole ins Bild kommen.

Die Unmöglichkeit, des leeren Raumes ansichtig zu werden

Die übrigen Videos gelten dem „Negativen Raum“, an dem die Künstlerin seit sieben Jahren arbeitet. „Negative Space“, so der Titel der Folge, ist eigentlich der Leer- und Hohlraum, der nicht darzustellen ist. Burns verwendet diesen Begriff, um, wie sie sagt, gewohnte Sichtweisen zu überdenken. Was nimmt man auf, wenn man zu lange in die Sonne schaut und das Nachbild hat? Julia Stoschek hat sich sogar an der Produktion des neuesten Werks beteiligt, aus Interesse am Science-Fiction-Film und am Spiel zwischen Utopie und Distopie.

Burns hätte am liebsten eine Welt ohne Fixpunkte, ohne Unterschiede im Wesen. Das gilt für sie selbst. Die Feministin möchte ihr Geschlecht nicht definieren, man könne sie mit Mann oder Frau ansprechen. Im Film werden Wohnräume zu Organismen, Flure zu Durchgängen, Badezimmer zu Nieren, Sofas zu Spielgefährten der Kinder. Ein Kind zerlegt ein Sofa, bis es nur noch Stoff ist, der angezogen werden kann. Die Kellerkinder kämpfen ums Überleben, gleichzeitig ist der Keller wie ein Uterus. Am Schönsten, auch am Verständlichsten, ist es, wenn Burns die Gesichter in den Fokus rückt. Dann kommen schöne Porträts zum Vorschein, die eigentlich viel interessanter sind als der leere Raum.

Übrigens: Handlungsagenten nennt sie ihre Performer, etwa den Gogotänzer mit den silbernen Shorts, Tennisschuhen und Kopfhörern, der im Loop nonstop tanzen kann.