Jugendorchester: Konzertsaal im Bunker

Jugendorchester: Konzertsaal im Bunker

180 junge Musiker der Tonhalle warten seit Jahren auf einen Proberaum. Jetzt gibt es eine Lösung im Musikbunker.

Düsseldorf. Elf Minuten dauert die Bahnfahrt von der Haltestelle Schlesische Straße in Lierenfeld bis in die Innenstadt. Ernst von Marschall interessiert sich nur ausnahmsweise für den ÖPNV, er fährt sonst Rad. In diesem speziellen Fall jedoch hat der Leiter des Jugendsinfonieorchesters (JSO) der Tonhalle den Fahrplan der Rheinbahn genau studiert, denn es gibt nun endlich eine Lösung für die bisher missliche Probensituation seiner 180 Musiker.

Voraussichtlich ab Frühjahr 2014 steht ihnen ein 600 Quadratmeter großer Saal im Musikbunker am Gatherweg in Lierenfeld zur Verfügung. Die Haltestelle liegt gleich um die Ecke, An- und Abreise sind somit problemlos für die Neun- bis 25-Jährigen.

Die für die nächste Woche angepeilte Entscheidung des Kulturausschusses, die Angelegenheit zu unterstützen, dürfte eine Formsache sein, denn zu lange schon proben Musiker und Dirigent von Marschall unter schwierigen Bedingungen. „Seit sieben Jahren führen wir ein Nomadenleben“, sagt von Marschall.

„Wir könnten künstlerisch schon wer weiß wo sein, wenn wir eine feste Bleibe gehabt hätten.“ Im vergangenen Jahr organisierte eine Abordnung des JSO Protestkonzerte unter anderem vor dem Rathaus, FDP, CDU und die Grünen sagten daraufhin ihre Hilfe zu.

Der Bunker am Gather Weg wird zurzeit ausgebaut, auf allen Etagen werden Proberäume für lokale Musikbands hergerichtet. Unterm Dach entsteht das Schmuckstück — mit adäquater akustischer Ausstattung, Parkettboden samt Fußbodenheizung, separatem Eingang, Aufzug und Unterstellmöglichkeiten für die Instrumente.

Investor und Kunstförderer Gil Bronner hat den Bunker gekauft und baut ihn entsprechend um. Hauptmieter ist die Stadt Düsseldorf, die mit Bronner nach demselben Konzept auch beim Atelierhaus an der Walzwerkstraße in Reisholz zusammenarbeitet.

Als Bronner von den Protestkonzerten der jungen Musiker im September 2012 hörte, dachte er sofort an das Dachgeschoss im Bunker und schlug dieses als Lösung vor. Damals jedoch prüfte die Stadt noch andere Optionen für das JSO, so zum Beispiel einen der beiden Säle im ersten Stock des NRW Forums. Am Ende zerschlugen sich alle Pläne und man erinnerte sich an Bronners Vorschlag. Richtig konkret wurde die Sache dann vor vier Wochen.

Dabei hatte Bronner bereits anders geplant. Wollte den mehr als zehn Meter hohen Raum in kleine Einheiten, in Proberäume, unterteilen lassen. Die notwendigen Materiallieferungen waren bereits beauftragt, Bronner sagte sie wieder ab. „Es freut mich, dem Jugendsinfonieorchester eine Probemöglichkeit verschaffen zu können. Außerdem ist es wunderbar, auf diese Weise die Weitläufigkeit des Raums zu erhalten.“

Eine schöne Aussicht, findet auch Henrik Plünnecke vom Orchesterrat. Der 24-Jährige hat Medien und Musik an der Schumann-Hochschule studiert, im Orchester spielt er Flöte. „Es sieht so aus, als hätten wir bald eine neue Heimat“, sagt er. „Das ist toll.“

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