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„Jugendliche können ausleben, wovon sie sonst nur träumen“

„Jugendliche können ausleben, wovon sie sonst nur träumen“

Hans-Peter Rams organisiert seit zwölf Jahren das Newcomer-Festival. Im Interview erzählt er, warum.

Düsseldorf. Zum zwölften Mal organisiert Hans-Peter Rams vom Verein „Akki“ in diesem Jahr „Newcomer - Das Festival für junge Bands“ in Zakk und Akki-Haus. Erstmals hatten außerdem sechs Nachwuchs-Bands die Möglichkeit, an einem Bandcoaching mit Profis teilzunehmen. Im Interview erklärt Rams, warum es sich lohnt mitzumachen und weshalb ihn die jungen Musiker immer wieder überraschen können.

„Jugendliche können ausleben, wovon sie sonst nur träumen“
Foto: Judith Michaelis

Herr Rams, wer kann beim Festival mitmachen und was ist das Ziel?

Rams: Mitmachen können Bands, deren Musiker zwischen 14 und 19 Jahre alt sind und ihre ersten Gehversuche auf der Bühne machen möchten. Wir unterstützen sie dann mit einer professionellen Ton- und Lichttechnik, beim Soundcheck und so weiter. Ziel ist es, den Jugendlichen die Gelegenheit zu geben, auszuleben, wovon sie sonst nur träumen und sich einem breiteren Publikum vorzustellen. Außerdem können die Bands sich gegenseitig kennenlernen. Die meisten haben nur ein geringes Repertoire und können deshalb keinen ganzen Abend schmeißen - aber wenn sie sich zusammentun, durchaus ein Konzert in kleineren Clubs oder Kirchengemeinden spielen.

In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert - allein wenn man an die ganzen Casting-Shows im Fernsehen denkt. Spüren Sie den Einfluss?

Rams: Nein, eigentlich nicht. Die Jugendlichen, die bei uns mitmachen, haben ihre Vorbilder eher in der Independent-Szene und weniger im kommerziellen Mainstream. Ihnen geht es darum, mit Gleichgesinnten zusammenzuspielen. Sie wollen sich freischwimmen und ihr eigenes Ding entwickeln. Texte und Musik sind Ausdruck ihrer aktuellen Befindlichkeit und ihrer Sicht aufs Leben. Dabei sind die Bands in den vergangenen Jahren melodischer geworden - das liegt vor allem daran, dass sich der Musikgeschmack geändert hat. Der Punk - vier Griffe und Vollgas geben - ist weniger vertreten. Leider ist die Teilnehmerzahl insgesamt ein wenig zurückgegangen. Ich denke, das liegt am verkürzten Weg zum Abitur - die Jugendlichen haben einfach weniger Zeit.

Gab es Bands, die sie besonders überrascht haben?

Rams: Ja, immer wieder. Liquid Lightning haben zum Beispiel bei uns mitgemacht, bevor sie beim „Local-Heroes-Wettbewerb“ zur „Besten Newcomerband Deutschlands“ gewählt wurden und groß rausgekommen sind. Besonders beeindruckt haben mich aber „The Burlesque“. Die gibt es leider heute nicht mehr. Die hatten einen Schlagzeuger, der schon mit acht Jahren am Jazz-Schlagzeug gesessen hat und einen Leadsänger, der mit 13 eine Stimme wie ein älterer Rocksänger hatte.

Was hat es mit dem Band-Coaching auf sich?

Rams: Beim Coaching geben drei professionelle Musiker sechs Bands Tipps, wie sie sich verbessern können. Das fängt mit dem Abstimmen der Instrumente aufeinander an, also der Frage: Hör ich mich, oder spiele ich die anderen an die Wand? Es geht aber beispielsweise auch darum, zu hinterfragen, wann ein Solo angebracht ist und wann man das Instrument besser in den Dienst der Sache stellt. Außerdem haben die Profis den Nachwuchs in den Proberäumen aufgesucht, um sich auch vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.