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Jürgen Engler mischt die Stars auf

Jürgen Engler mischt die Stars auf

In Austin arbeitet der Krupps-Chef als Produzent für Iggy Pop und die Stones.

Mit "Male" gründete Jürgen Engler Deutschlands erste Punk-Band. Mit der Band Die Krupps erfand der Düsseldorfer den "Industrial Sound", der die Gruppe international bekannt machte. Nun hat der 49-Jährige seiner Heimatstadt den Rücken gekehrt, ist nach Austin in Texas gezogen und arbeitet für die Plattenfirma Cleopatra.

Jürgen Engler: Ich war früher schon oft in den USA und habe schon seit 1996 das Haus in Austin. Es gab einige persönliche Dinge, die mich lange in Deutschland gehalten haben. Als mir im September 2008 der Job bei Cleopatra angeboten wurde, habe ich mich entschieden, ganz nach Austin zu gehen. Das habe ich auch bisher nicht bereut.

Engler: Ja, und das macht großen Spaß. Ich arbeite mit vielen tollen Künstlern zusammen. Gerade habe ich mit Iggy Pop zusammen "White Christmas" neu aufgenommen. Außerdem einige neue Songs für die Stooges. Nächstes Projekt ist das neue Album von Sly Stone. Ich mache bis zu 20 Produktionen im Monat. Nicht nur neue Aufnahmen, sondern auch ältere Sachen. Quer durch alle Musikstile.

Engler: Alte Aufnahmen von Bob Marley aus den sechziger Jahren. Damals waren Gitarre, Bass und Schlagzeug ganz weit vorn und der Gesang viel zu leise. Die Songs haben wir so bearbeitet, dass sie wie seine Produktionen aus den siebziger Jahren klangen. Von den Rolling Stones habe ich "Brown Sugar" neu gemischt. Das sind Sachen, da kommt man normalerweise überhaupt nicht dran. Auch ungewöhnliche Lieder sind dabei, zum Beispiel eine alte Aufnahme von Elvis zusammen mit Bing Crosby. Eben wirklich interessante Aufgaben.

Engler: Wir arbeiten an einem neuen Krupps-Album. Einige Songs sind schon so gut wie fertig, insgesamt sind es 25 Titel. Die CD soll im Frühjahr erscheinen. Möglicherweise kommen auch zwei Alben kurz hintereinander. Das ist aber noch nicht sicher.

Engler: Nein, wir arbeiten nach wie vor als Band zusammen. Ralf Dörper schreibt die Texte, auch Gitarrist Marcel Zürcher und Christ Lietz sind weiter dabei. Übers Internet stehen wir in regelmäßigem Kontakt und können uns auch die Tonspuren schicken.

Engler: Das klappt frühestens im Herbst, weil ich so viel zu tun habe. Im Frühjahr werden wir wahrscheinlich einige Konzerte in Amerika geben.

Engler: Das ist eine ganz alte Geschichte, die eigentlich längst geklärt ist. Meine ehemalige Lebensgefährtin und der Schlagzeuger Frank Köllges waren damals mit als Urheber eingetragen. Als wir Anfang der 90er Jahre die Plattenfirma gewechselt haben, ist offenbar etwas Anderes eingetragen worden. Ich habe längst an die Gema geschrieben, um das rückgängig zu machen. Das ist auch alles geklärt. Die beiden müssen sich dort allerdings schon selbst melden. Von der Platte sind übrigens rund 3000 Einheiten verkauft worden. Das heißt, es geht insgesamt um ein paar hundert Euro.

Engler: Nein, Austin ist eine sehr liberale und aufgeschlossene Stadt. Die Leute hier lieben Obama. Es hab während des Wahlkampfs kaum einen Vorgarten, in dem nicht ein Schild "We can do it" gestanden hat. Außerdem erinnert mich die Kneipenszene an die Altstadt. Hier gibt es viele Clubs, vom Hip-Hop-Laden über Country, Rockabilly bis zu Gothic. Alles geht hier ohne Spannungen ab. Eine tolle Stadt.