1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Jürg Baur: Ein Musiker bis zum letzten Atemzug

Jürg Baur: Ein Musiker bis zum letzten Atemzug

Nachruf: Der Düsseldorfer Komponist Jürg Baur ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Düsseldorf. Jürg Baur war ein zierlicher Herr mit klug-gewitztem Charakterkopf und einer bis ins hohe Alter bewahrten geistigen und körperlichen Quirligkeit. Bis zuletzt arbeitete der in Düsseldorf am 11.November 1918 geborene und hier lebende Komponist an neuen Werken und sorgte gleichzeitig rührig für ihre baldige Uraufführung.

In Düsseldorf und vielen umliegenden Orten erklang seine Musik, und meist wohnte Baur diesen Konzerten bei, eilte während des Schlussapplaus’ aufs Podium und verbeugte sich rasch und kurz. Nun ist Jürg Baur, der nie einen gebrechlichen Anschein machte, im Alter von 91 Jahren, wenige Monate nach dem Tod seiner gleichaltrigen Frau Brunhild, gestorben.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte das Paar nach 65-jähriger Ehe Eiserne Hochzeit gefeiert. Als dann Baurs Frau einige Monate später gestorben war, traten bei dem Komponisten spürbare Veränderungen ein. Der Verfasser dieses Nachrufs war bis zuletzt mit Jürg Baur in Kontakt. Denn wir waren im Gespräch über das Erstellen eines biografischen Breviers mit Erinnerungen an frühe Jahre, Kriegserlebnisse und das mehrmonatige Leben in russischer Gefangenschaft.

Das letzte Telefongespräch vor einigen Wochen hatte einen Beiklang von Abschied oder genauer: von ängstlicher Unruhe. Das Gedächtnis lasse nach, und es sei mit einem Treffen nun Eile geboten, um noch an seinem Erinnerungsvermögen teilzuhaben. Leider sollte es zu dieser Begegnung nicht mehr kommen.

Jürg Baur war einer der letzten Komponisten vom alten Schlag. Das Tonsetzerhandwerk erlernte er in den 30er Jahren bei einem strengen Meister, dem Busoni-Schüler Philipp Jarnach in Köln. Mit der damaligen Neuen Musik in Berührung zu kommen war nicht leicht, ja heikel, da die Nazis die Entwicklungen der Moderne unterdrückten und die Beschäftigung mit "entarteter" Musik mit unverhältnismäßiger Brutalität sanktionierten. So musste auch Baurs Professor Jarnach, bei dem übrigens auch Kurt Weill Unterricht hatte, konservativer tun, als er war. Als nach Kriegsende der Staudamm der Avantgarde endlich brach, ließ sich auch Baur von der Moderne zeitweise mitreißen und komponierte einige Zeit experimentell.

Doch ein extremer Avantgardist wurde Baur nie. Ab den 70er Jahren besann er sich auf die Tradition und komponierte Orchesterwerke, die sich mit Meistern wie Mozart, Schumann und Gesualdo auseinandersetzten. Neben der kreativen Musikproduktion arbeitete Baur auch im Lehrberuf. Er war Professor für Komposition in Köln und Düsseldorf und unterrichtete auch das von Studenten gefürchtete Fach Musiktheorie. Von 1965 bis 1972 leitete Baur als Direktor das damalige Robert-Schumann-Konservatorium (heute Hochschule). Er hat ganze Komponistengenerationen geprägt.