Jüdisches Filmfest Düsseldorf: „Wir setzen eher auf Unterhaltung“

Jüdisches Filmfest : „Wir setzen eher auf Unterhaltung“

Polina Ivanova, Kuratorin des Filmfestivals „Jüdische Welten“, über das noch bis Sonntag andauernde Festival.

„Wir konnten die Zuschauerzahlen im Vergleich zum letzten Jahr nahezu verdoppeln“: Polina Ivanova, Kuratorin des Filmfestivals „Jüdische Welten“, zieht eine positive Zwischenbilanz. Im letzten Jahr hatte das von Paul Spiegel 2005 initiierte Festival eine Neuausrichtung erhalten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. „Das kommt sehr gut an“, freut sich Polina Ivanova. Alle Filme werden nun mit deutschen Untertiteln gezeigt. „Wir haben keine Dokumentationen im Programm, sondern setzen eher auf Unterhaltung“, fasst die Kuratorin die Auswahlkriterien zusammen.

Dafür hat sie viele Beiträge gesichtet, die bereits auf verschiedenen Festivals erfolgreich gelaufen sind, aber auch ein paar Perlen herausgefischt, die noch nicht im Kino zu sehen waren. „Wir haben allein vier Deutschlandpremieren“, so Ivanova. Darunter das auf drei Novellen basierende Drama „Zeitzeugen“, das am Samstag (14. April, 17 Uhr) in der Black Box gezeigt wird.

Hatte das Festival im vergangenen Jahr noch Jugendliche als zu erschließende Zielgruppe im Blick, wurde das Angebot nun auch für kleine Kinder weiter ausgedehnt. „Junge Menschen sind schwer für das Kino zu begeistern, die haben so viele Interessen und auch andere Sehgewohnheiten“, ist Polina Ivanova überzeugt. Ganz anders sei es da mit den Kleinsten. „Wir hatten 41 Kinder, die am Workshop-Angebot im Filmmuseum teilgenommen haben und im sich anschließenden Zeichentrickfilm „Feivel, der Mauswanderer“ saßen sogar 50 kleine Zuschauer.“ Damit habe das Festival hier bereits einen Zuwachs von über 100 Prozent zu verzeichnen, denn 2018 waren es gerade einmal zwanzig Kinder, die ins Kino kamen.

Erstmals kooperieren die „Jüdischen Welten“ mit den parallel stattfindenden „Jüdischen Kulturtagen“, die sich ebenfalls neu ausgerichtet haben und ein größeres Publikum im Visier haben. „Für beide Seiten ist es eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit“, ist die Kuratorin überzeugt. „Wir können gegenseitig für unsere Angebote werben und auf das Programm aufmerksam machen“, fügt sie hinzu. Im vergangenen Jahr hatte die Jüdische Gemeinde Düsseldorf, die das Filmfestival veranstaltet, erstmals einen Werbeclip in den sozialen Medien geschaltet. Diesmal hat man den Sprung auf die Kinoleinwand mit einem Spot gewagt, der im Trailerblock vor dem Hauptfilm gezeigt wird. Da die Black Box durch ihr Reglement und den eigenen Spielplan nicht immer zur Verfügung steht, zeigt das UCI im Medienhafen die neueren großen Produktionen, wie beispielsweise die deutsche Premiere des Vater-Sohn Dramas „Schnürsenkel“ am Samstag (13. April, 23 Uhr) oder die Liebeskomödie „Eine die sich traut“ zum Festivalabschluss am Sonntag (14. April, 20 Uhr). Sie handelt von einer orthodoxen Jüdin, die verzweifelt eine Heiratsvermittlerin aufsucht, um den passenden Mann zu finden. Denn sie kommt aus einem unreligiösen Elternhaus.

Eines ist Polina Ivanova wichtig klarzustellen: „Jüdische Welten zeigt zwar hebräische Spielfilme, richtet sich aber ausdrücklich an Menschen jeder Konfession“.

Die Intention des Festivals sei es vielmehr zu zeigen, dass „Juden die gleichen Probleme wie Nicht-Juden haben. Da spielen sich genauso Dramen, Krisen und Liebesgeschichten ab wie in jeder anderen Kultur oder Religion“, meint die Kuratorin. Allerdings wird es keine Vorführungen zum Schabbat geben.

Das Filmfestival „Jüdische Welten“ läuft noch bis 14. April in der Black Box und im UCI Kino. Infos zum Programm unter:

juedischewelten.com

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