Joseph Boys in Düsseldorf: „Wenn die Hütte voll ist, legen wir los“

Kultur : „Wenn die Hütte voll ist, legen wir los“

Die Joseph Beuys treten am Samstagabend im „AK 47“ auf. Im Gepäck: der erste Longplayer auf Vinyl.

Eins war gleich klar: „Unser erster Longplayer erscheint natürlich auf Vinyl“, betont Andreas Artelt, Sänger der Joseph Boys. Genau den, also die erste Langspielplatte, wird die Düsseldorfer Punk-Combo am Samstagabend ganz offiziell im „AK47“ an der Kiefernstraße ab 20 Uhr live auf die Bühne bringen. Record-Release-Konzert, wie es so schön Neu-Deutsch heißt. Schnell sein lohnt sich übrigens, denn „das AK47 verkauft traditionell keine Eintrittskarten vorab“, stellt Andreas Artelt, von allen nur „Andi“ gerufen, klar. Wer also früh genug da ist und sich einen Stempel holt, ist drin. „Wenn die Hütte voll ist, legen wir los“, schmunzelt der Sänger.

Aber warum Vinyl und nicht dieses Silberding? Wie hieß das noch gleich? CD! „Ach was, die CD ist doch tot“, wehrt Andi ab. Man sei doch bestens auf diversen Streamingdiensten vertreten. Aber so eine schöne alte Platte, das hat was.

Vor allem Tradition, denn die Jungs haben schon die beiden Vorgänger EPs – also schon Schallplatte in 12inch, aber mit weniger Stücken drauf, auf Vinyl pressen lassen. Und weil der Bandname Joseph Boys ja auch irgendwie verpflichtet und die Fünf sowieso sehr kreative Köpfe sind, waren die EPs tatsächlich nur auf einer Seite bespielt. Da musste auch erstmal draufkommen. „Auf beide Seiten was draufpacken kann schließlich jeder“, lacht Andi. Auf die vermeintlich leere Rückseite kam einfach ein Siebdruck. „Uns macht es Spaß qualitativ Hochwertiges zu produzieren“, so Andi.

„Rochus“ heißt das erste lange Album der 2015 gegründeten Punkband. Auf dem Cover zu sehen, die gleichnamige markante Kirche an der Prinz-Georg-Straße.

Was es damit auf sich hat? „Man muss auch Geheimnisse haben, damit es spannend bleibt“, gibt sich Andi verschwörerisch, der seine Brötchen normalerweise als Kameramann verdient. Nicht der einzige der „Boys“ mit Faible fürs Kino. Der andere „Andi“ in der Band ist Regisseur. „Wir waren mal die Celluloid Suckers und haben die Filmkunstkinos unsicher gemacht und Kinoabende veranstaltet, bevor wir dann mit der Metzgerei Schnitzel den Brause-Kunstverein gegründet haben“, zählt Artelt einige der kreativen Stationen im Leben der Musiker auf, bis es vor vier Jahren dann den Startschuss für die Band gab.

Also noch mal zurück auf Anfang: Joseph Boys, da denkt man eigentlich eher an Kunstakademie als an Punkrocker oder? „Wieso, kreativ sind wir auch und wir leben uns im Sinne von Beuys schon seit vielen Jahren als Musiker aus“, stellt Artelt klar. Schließlich habe der ja die Auffassung vertreten, jeder kann ein Künstler sein. Irgendwie war Beuys ja auch ein cooler Typ, von dem Man(n) sich gerne inspirieren lässt. So hieß die erste EP schlicht „Fett“. Wir erinnern uns, da war doch was mit einer Putzfrau und einem Fettfleck, das schließlich in der gern strapazierten Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ gipfelte.

Die Düsseldorfer Jungs („bis auf einen, der ist zugereist“) haben auf jeden Fall Humor, denn sie gaben ihrem Label den Namen „Fette Ziegenbutter Produkt“.

Nun erblickt also das dritte „Produkt“ des Unternehmens das Licht der Musikwelt. Wie immer textete Andi und der Rest formte das instrumentale Gewand dazu. Inspiration? „Das Leben, unser Umfeld, was eben alles so passiert“, gibt der Songschreiber einen Einblick in die Textwerkstatt.

Wenn „Rochus“ heute Abend dann über die „AK47“-Bühne gegangen ist, zieht die Band weiter zur Aftershow-Party ins „Fortuna Eck“. Auch das hat Tradition. „Die letzten Aftershow-Partys nach den EP-Releases haben wir ebenfalls da gefeiert. War völlig klar für uns, der Moni, die den Laden schmeißt, treu zu bleiben.“

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