Jo Weil lässt die Hüllen fallen

Jo Weil lässt die Hüllen fallen

Das Fernseh-Publikum kennt ihn als schwulen Bar-Besitzer. In der Komödie an der Steinstraße zeigt er sich als sexy Jungbauer.

Düsseldorf. Er hat allen Grund zu strahlen. Jo Weil (35) hat es geschafft: Er spielt fast acht Jahre in einer der langlebigsten Soap Operas der ARD. In „Verbotene Liebe“, die seit 18 Jahren montags bis freitags über den Bildschirm flimmert. Die aktuelle Quote schrumpfte jedoch auf 1,2 Millionen Zuschauer.

In der Serie spielt der gut aussehende Schauspieler, der seinen Körper täglich trainiert, den schwulen Bar-Besitzer Oliver Sabel, der mit Christian (alias Thore Schölermann) verheiratet ist. Dass dazu auch dezente Bettszenen gehören und er viel Haut zeigen muss, daran hat sich der Jo Weil gewöhnt.

Sich vor der Kamera oder dem Publikum auszuziehen, ist für ihn täglich Brot — auch in der Rolle als Richard in „Landeier — Bauer suchen Frauen“. Darin lässt der sportliche Schönling die Hüllen fallen, um eine Frau zu ergattern. Mit zwei anderen Jungbauern organisiert er einen Striptease, weil die drei kapieren „Sex sales“.

Das Stück, eine Parodie auf „Bauer sucht Frau“, hat am 13. März Premiere in der Komödie an der Steinstraße. Ein Haus, das Weil seit 2007 kennt, als er in der Travestie „Ganze Kerle“ als singender Mime Furore machte. „Es war die gleiche Zeit, als ich zur ,Verbotenen Liebe’ zurückkehrte“, erzählt er.

Zwischendurch ging er „fremd“, als Sanitäter in der RTL-Actionserie „Medicopter“. Ein Glückskind? Sicherlich. Wenn er auch zurückgezogen lebt, so schlendert er bei Film- und Fernseh-Events gerne über den Roten Teppich. „Das gehört zu meinem Beruf“. Immerhin zählt er zu den fünf Prozent der Schauspieler, die von ihrem Beruf leben können.

Düsseldorf kennt der in Köln wohnende Weil gut, weil „Verbotene Liebe“ auch an der Kö und im Medienhafen gedreht wird. Dort liegt die Bar „No Limits“, die der junge Oliver führt. Eine Rolle, für die er pro Folge zirka 60 Seiten Text lernen muss. Das falle ihm leicht. „Mein Kurzzeitgedächtnis wird immer besser.“ Das spüre er auch bei den Proben zu „Landeier“. Auf der Bühne fühlt er sich wohl, ebenso vor Kameras. Wenn er sich entscheiden müsse, läge ihm TV aber näher.

Ist er durch die lange Zeit als TV-Schwuler nicht festgelegt? Seine Agentur hätte ihn davor gewarnt, doch es gehe darin nicht um Sex, sondern um Liebe. Sonst gäbe es wohl nicht so eine große Fangemeinde, besonders unter heterosexuellen Frauen. „Sie verstehen, dass Liebe vom Geschlecht unabhängig ist.“

Mittlerweile flattern auch andere Angebote ins Haus. So war Weil, der gerne mal als Stewart auf dem „Traumschiff“ anheuern würde, kürzlich als Callboy in dem Dortmunder „Tatort“ zu sehen. Produzenten wissen heute, dass Serien-Darsteller schneller lernen können. Wie weit sein Ruhm geht, zeigt ein Fan-Blog im amerikanischen Internet, in dem „Verbotene-Liebe-Szenen“ mit ihm und Schölermann zu sehen seien. Und im wahren Leben ist dieser TV-Partner sein bester Freund und dessen Lebensgefährtin ist Weils beste Freundin.

Privatleben? Das schirmt er ab. „Das ist privat.“ Aber bei seinen vielen Engagements bleibe dafür kaum Zeit übrig. Wenn er frei hat, zieht es ihn in seine Traumstadt London, wo er bereits an Castings teilgenommen hat. Wer weiß, wo Weils Wege noch hinführen.

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