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Premiere: Jelinek-Uraufführung: Theater für die Modestadt

Premiere : Jelinek-Uraufführung: Theater für die Modestadt

Am Samstag feiert das Stück „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ der Nobelpreisträgerin Premiere — eine Herausforderung für Regisseur Jan Philipp Gloger.

Düsseldorf. Elfriede Jelinek hat von jeher eine Leidenschaft für edle Klamotten und auffällige Frisuren. Zumindest setzt sich die Nobelpreisträgerin auch mit gerade mal 70 Jahren gern in Szene, zumal, wenn Fotografen in ihrer Nähe sind. „Von wenigen Dingen verstehe ich so viel wie von Kleidern“, gestand die österreichische Literatur-Provokateurin kürzlich. Verkleidet und verhüllt sie sich damit? Oder offenbart sie mit Mode-Artikeln etwas von ihrer Persönlichkeit? Um diese Fragen kreist ihr neues Stück „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“, das sie für die Modestadt Düsseldorf geschrieben hat. Und das am Samstag, 14. Januar, im Central am Hauptbahnhof uraufgeführt werden soll.

Regisseur Jan Philipp Gloger (r.) inszeniert das erste Mal in Düsseldorf.
Regisseur Jan Philipp Gloger (r.) inszeniert das erste Mal in Düsseldorf. Foto: Thomas Rabsch/Sergej Lepke

Regie führt Jan Philipp Gloger. Erst ist erst 35 Jahre und doch schon ein alter Hase in Sachen Jelinek. Immerhin hat der in Hagen geborene Theater- und Opernmacher, der mit gerade mal 30 im Jahr 2012 den „Fliegenden Holländer“ als einer der Jüngsten bei den Bayreuther Festspielen inszenierte, bereits zwei Jelinek-Inszenierungen herausgebracht: 2011 die „Winterreise“ in Mainz und 2014 „Schatten (Eurydike sagt)“ in Karlsruhe.

Autorin und Dramatikerin Elfriede Jelinek.
Autorin und Dramatikerin Elfriede Jelinek. Foto: Stephanie Pilick

„Ich habe sie weder getroffen, noch mit ihr telefoniert“, sagt Gloger. Das sei bei ihr nicht üblich. Kontakt habe er nur zu ihrem Lektor. Wortgewandt und rhetorisch versiert wirbt er für Verständnis dafür, dass sich Jelinek nur selten in der Öffentlichkeit zeigt. Ungewiss sei, ob sie überhaupt zur Premiere anreisen werde. Andererseits sei sie großzügig und vertraue meist den Regisseuren.

Wohl und sicher setzt Gloger seine Worte. Obwohl: Er kommt gerade von kräftezehrenden Proben. Unter dem Arm hält er einen Packen von Blättern. Er inszeniere ja kein fertiges Drama, meint er. Sondern Jelinek. Wie meist lieferte sie einen „Rohling“. 100 Seiten Fließtext, eine Textfläche ohne Sprech-Einteilung, die man in fünf Stunden liest. Daraus einen Theaterabend zu kreieren, mit Figuren, Dialogen und Gesängen, das war die Aufgabe Glogers und seines Teams. Nicht einfach.

Jan Philipp Gloger, Regisseur

Doch die Würfel sind gefallen: Sechs Frauen verschiedener Generationen und ein zehnjähriges Mädchen treten auf. „Auch Kinder reden ständig über Mode und darüber, welche Labels angesagt sind“, sagt Gloger. Er selbst trägt einen klassischen Wollpullover in Dunkelblau.

Er habe sich selbst bisher nicht mit Mode beschäftigt, aber im Laufe des Vorbereitungsjahrs habe er ein Sensorium für Ästhetik entwickelt, erklärt er und schmunzelt. Zumindest achte er jetzt darauf, dass er fair produzierte Jeans, Hemden, Schuhe und Pullover trage. Eine Frage, um die es in dem Stück ebenfalls geht.

Genauso wie um Abgründe der Schönheitsideale, die ständige Erneuerungssucht der Mode und Modemacher. Aber auch um die Natur als Kontrast zur Mode. Ein weiteres Sujet sei die Rolle, die Kleidung beim Älterwerden spielt und den eigenen Verfall verdecken kann — oder auch soll. Diese Widersprüche reizen Gloger. „Jelinek ist eine Meisterin des Widerspruchs“, sagt er. So kippe ein weltbewegendes Thema plötzlich um in Kalauer und Witze. „Bei Jelinek liegen das Große und das Banale sehr eng beieinander.“

Seine steile Regie-Karriere begann Gloger bereits mit 25 Jahren. Heute bringt er pro Jahr vier Produktionen — Musik- und Sprechtheater — heraus, in London, Amsterdam und Zürich. Trotz internationaler Erfolge in Metropolen, zieht es Gloger ab 2018 in die bayrische Provinz. Er wird Schauspieldirektor des Staatstheaters Nürnberg. Dort möchte er unbedingt mit einem eigenen Ensemble arbeiten. Nur durch Kontinuität wachse das gegenseitige Vertrauen zu den Darstellern, meint er. Und: „Ich habe eine Sehnsucht danach, an einem Ort meine eigene Künstler-Familie zu gründen.“

Jan Philipp Gloger, Regisseur

In Düsseldorf inszeniert Jan Philipp Gloger das erste Mal. Die Stadt kennt er aus seiner Jugend im Pott. Nostalgisch erzählt er von seinen ersten Altbier-Touren mit seinem Vater durch die Altstadt, damals in den späten 1990ern und frühen 2000er Jahren.

Da hatte er auch seine ersten entscheidenden Theater-Erlebnisse, in Bochum, aber auch im Düsseldorfer Schauspielhaus. Die Rheinmetropole war für den Hagener damals „ein Hauch von Welt“. Gut erinnert er sich noch an die „Mabeth“-Inszenierung von Jürgen Gosch. Einst umstritten, später Kult.

Und freut sich, dass er jetzt von Intendant Wilfried Schulz für das Jelinek-Drama verpflichtet wurde. Schulz kennt er aus Dresden. Ein Intendant, der inhaltlich denkt, lobt Jan Philipp Gloger. Und einer, der „den Spagat zwischen Stadtpublikum und überregionalem Echo schafft“.