Jeanne Pilands - Eine Diva zum Anfassen

Jeanne Pilands - Eine Diva zum Anfassen

Jeanne Pilands Abschied in der Rheinoper wurde zum spektakulären Abend mit viel Prominenz.

Düsseldorf. Im feuerroten Kleid mit großen Rüschen betritt Jeanne Piland die Bühne, ihre Schleppe trägt erhobenen Hauptes und mit einem Schmunzeln auf den Lippen Dirigent John Fiore, ehemals Generalmusikdirektor der Rheinoper. Es ist ein bezaubernder Auftritt, glamourös, nicht übertrieben aufgedonnert und von erfrischender Leichtigkeit. Die amerikanische Mezzosopranistin, die eben noch die Hosen-Rolle des Knaben Oktavian aus Strauss’ „Rosenkavalier“ glaubwürdig ausgefüllt hat, erscheint nun als flammend weibliche Prinzessin Eboli aus Verdis „Don Carlos“.

Jeanne Piland ist eine Diva zum Anfassen, mit Starappeal, aber ohne Attitüde. Aufgrund ihres tollen Aussehens, der schwarzen Haare und des hellen Teints soll sie einmal als „schneewittchenhafte Schwester von Catherine Deneuve“ bezeichnet worden sein. So kolportierte es Regisseur Christof Loy, der die Laudatio hielt bei der Gala zu Ehren der Kammersängerin. 65-jährig verlässt sie nun offiziell das Ensemble, geht dabei aber eher in eine Art Unruhestand, denn Engagements in Düsseldorf, Genf und an weiteren Orten geben Anlass zur Hoffnung, dass es sich bei dem Ausscheiden um keinen künstlerischen Abschied handle.

Und wer nun erlebte, mit welcher Jugendfrische Jeanne Piland große Arien aus ihrem umfassenden Repertoire singt, kann sich ein Aufhören auch nicht vorstellen. Noch immer besitzt ihr Timbre Schmelz und Farben, strahlen die Höhen und faszinieren Ausdrucksstärke und humane Innigkeit des Vortrags. „Wenn die Technik da ist, mit dem gut erhaltenen Material umzugehen, ist das schon ein Geschenk“, sagt der ehemalige Rheinopern-Intendant Tobias Richter, einer der vielen Laudatoren. Der heutige Intendant Christoph Meyer erinnert sich an die erste Begegnung mit Jeanne Piland vor 20 Jahren in Düsseldorf. Auf der Probebühne sah er eine bezaubernde Frau. „Wir waren alle verliebt in sie.“

Auch jetzt wieder flogen ihr die Herzen zu, es gab stehende Ovationen im Parkett und auf allen Rängen. Ehrung wurde dem Ensemble-Liebling durch Worte zuteil und durch viel Musik. Neben Fiore schwang der amtierende Generalmusikdirektor Axel Kober den Taktstock, ebenso Kapellmeister Rainer Mühlbach sowie Thomas Gabrisch, langjähriger Korrepetitor am Haus, Leiter des Opernstudios und heute Professor an der Robert-Schumann-Hochschule. Prominente Weggefährten auf international bedeutenden Bühnen wie die Sopranistin Linda Watson und der Heldentenor Robert Gambill, aber auch Ensemble-Kollegen und hochbegabte Studentinnen der Piland sangen mit ihr Duette oder traten solistisch auf.

Besonders schön gelangen die großen Strauss-Momente. Das Duett Marschallin (Linda Watson) und Oktavian (Jeanne Piland) beeindruckte und rührte durch feinste Gesangs- und Darstellungskunst. Famos auch die Geschwister-Szene „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus Richard Wagners Walküre, die Jeanne Piland mit Robert Gambill aufführte.

Jeanne Piland dankte zum Schluss auf musikalische Weise mit zwei sinnfälligen Zugaben: Zunächst gab sie die Arie des Komponisten aus Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ mit dem berühmt gewordenen Satz „Musik ist eine heilige Kunst“. Und dann kam noch das vielleicht berühmteste aller Strauss-Lieder, die „Zueignung“ mit den strahlend gesungenen Schlussworten „Habe Dank!“ Ein hinreißender Abend.

Mehr von Westdeutsche Zeitung