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Jazz: Eine Verbeugung vor Billie Holiday

Jazz: Eine Verbeugung vor Billie Holiday

Sängerin Dee Dee Bridgewater begeistert mit Songs der „Lady Day“.

Düsseldorf. Ganz so zahlreich sind die Fans der Jazzsängerin und Schauspielerin Dee Dee Bridgewater nicht erschienen, so dass der Veranstalter ihr Konzert "To Billie with Love" vom großen Saal der Tonhalle in den hauseigenen Hentrich-Saal verlegte.

Das hatte aber seinen Reiz, denn nun stand die preisgekrönte Musikerin nicht weit weg auf einem großen Podium, sondern nah vor dem Publikum, das nun nur so gerade in den kleinen Saal hineinpasste.

Bridgewaters Konzert ist ganz der Jazzlegende Billie Holiday gewidmet, die sie einst in dem Musical "Lady Day" darstellte. Junge talentierte Mitstreiter am Klavier, Kontrabass, Schlagzeug und Saxophon lassen es krachen, zeigen sich aber auch von ihrer zarten Seite. Besonders eigenwillig spielt der Saxophonist, Flötist und Klarinettist James Carter. Er dudelt sich in hysterische Höhen, als seien seine Instrumente völlig ausgeflippt.

Zwischen ihm und der Sängerin gibt es zuweilen amüsante musikalische Zwistigkeiten: Er tutet ihr was, sie kiekst dagegen - mit einer verstellten Stimme, die fast klingt wie ein hell spielendes Saxophon. Überhaupt kann Dee Dee Bridgewater brillant Instrumente imitieren, etwa den Klang einer Posaune. Dabei ahmt sie auch die Bewegungen eines Posaunisten beim Verändern der Tonhöhen nach.

Die 59-Jährige besitzt nicht unbedingt eine schöne Stimme à la Ella Fitzgerald, doch punktet Bridgewater bei ihren Fans mit immenser Power und Präsenz sowie einem kräftigen Schuss Humor. Ironisch flirtet sie mit dem Kontrabassisten Ira Coleman beim Song "My Mother Son In Law". Der antwortet: "Aber Dee Dee, ich hab doch schon eine Schwiegermutter".

Auf dem Programm, das größtenteils mit ihrem neuen Album "Eleanora Fagan (1915-1959): To Billie With Love From Dee Dee" identisch ist, stehen neben wilden, temperamentvollen Songs wie "Lady Sings The Blues" auch melancholische Lieder wie "Don’t Explain" oder "You’ve Changed". Sentimentalität ist nicht ihre Sache, selbst Trauriges singt sie mit einem Augenzwinkern. Das Publikum applaudiert hingerissen und lässt seinen Star nicht ohne Zugabe ("All Of Me") ziehen.