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Konzert: Jan Lisiecki ist mehr als nur Virtuose

Konzert : Jan Lisiecki ist mehr als nur Virtuose

Der Pianist begeisterte mit dem Orpheus Chamber Orchestra in der Tonhalle.

Da glitzert und funkelt, schnurrt und perlt es nur so. Ihm zuzuhören kann eine wahre Freude sein: Jan Lisiecki. Schön- und Schnell-Spieler, mittlerweile aus Wunderkind-Schuhen herausgewachsen, umschwärmt, nicht nur von den jungen Besucherinnen der voll besetzten Tonhalle. Der kanadische Pianist mit polnischen Wurzeln ist mit 24 ungefähr so alt wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, als dieser (damals mit 22) sein erstes Klavierkonzert komponierte und als Pianist bei der Uraufführung gefeiert wurde.

Aufbrausendes Johlen – fast wie bei einem Popstar – setzt ein, bevor der junge Herr mit blonder Pilzkopf-Mähne sich überhaupt an den Steinway setzt. Zusammen mit dem Orpheus Chamber Orchestra macht er eine Werbetour für seine neue CD.

Beide Mendelssohn-Klavierkonzerte (in g- und d-Moll) geben sie in Musik-Großstädten zum Besten. Neben der ‚Italienischen Symphonie’ und einer modernen, schwelgenden Petitesse von Jessie Montgomery.

Seit seiner Jugend glänzt Lisiecki als „Tasten-Schnellläufer“, wie er mal bezeichnet wurde. Eine Qualität, die er in Mendelssohns Werken ausreizt. Hinzu kommen sein jugendlicher, zurückhaltender Charme, schlafwandlerisch sichere Technik und ein draufgängerisches Zupacken –plötzlich abgelöst von lyrischer, nahezu zerbrechlicher Innerlichkeit. Eine Mischung, die für diese Bravurstücke ideal ist und ihn in seiner Generation als Ausnahme-Künstler erscheinen lässt.

Besonders in den Ecksätzen des g-Moll-Konzerts (mit dem das Meisterkonzert endet) macht er Ernst mit ‚molto allegro’, lässt seine Finger in Affenzahn über die Tasten fliegen und entfacht eine solch’ zündende Dynamik, dass dem Zuhörer fast schwindelig wird. Ohne dabei Noten zu verschmieren oder fallen zu lassen. Selbst in den ratternden Akkordketten ist jede Note zu hören. Dabei wirkt alles frisch, kraftvoll und heiter.

Seine Klasse beweist er in den langsamen Sätzen. Im Adagio (Konzert Nr.2) entfaltet er mit ausgeklügelter Anschlag-Kultur eine beinah andächtige Stimmung. Doch bei aller Zurückhaltung leuchten und perlen auch hier die Akkorde – ähnlich wie in Chopin-Konzerten. Fern von klebriger Süße und lieblichem Zärteln, stets sicher im Geschmack – und manchmal verhangen hintergründig. Lisiecki ist eben mehr als ‚nur’ Virtuose. Und beruhigt nach finalem Feuerwerk die erhitzten Gemüter mit leisen Zugaben.

Jubelnde Fans müssen nicht lange warten: Lisiecki kommt bald wieder, am 11. Januar mit einem Solo-Programm.