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Interview mit Rüdiger Esch von den Krupps zur Electri-City-Conference

Interview : „Ich liebe den Bassisten-Talk“

Interview Rüdiger Esch, Organisator der „Electri-City-Conference“ und Bassist der Krupps, spricht über die für Samstag geplante Lesung mit Jordan Mooney und die Autogrammstunde mit Glen Matlock.

Herr Esch, am Wochenende steigt die von Ihnen ins Leben gerufene und organisierte „Electri-City-Conference“. Diesmal sind der erste Sex-Pistols-Bassist und Songschreiber der Band Glen Matlock sowie die Londoner Punk-Ikone Jordan Mooney als Gäste dabei. Warum diese beiden?

Rüdiger Esch: Sowohl Glen Matlock als auch Jordan Mooney haben für Malcom McLaren, den Manager der Sex Pistols, und Vivienne Westwood gearbeitet, die beide an der Londoner King’s Road 430 diesen Laden, „Sex“, betrieben.

Der war nicht nur Namensgeber für die spätere Band. Er war vor allem Ausgangs- und Treffpunkt der ganzen Punkszene.

Esch: Genau. „Sex“ wurde zur festen Adresse für progressive Mode und Musik. Glen hat dort seinerzeit die Samstagnachmittagsvertretung übernommen. Als 16-Jähriger. Und Jordan war sogar schon dort tätig, als es den Namen „Sex“ noch gar nicht gab. So um 1974 herum. Zwei Jahre, ehe es mit den Sex Pistols losging.

Wie sind Sie an diese beiden Gesprächspartner herangekommen?

Esch: Ich kenne beide persönlich. Jordan ist nicht nur bei dem gleichen englischen Verlag wie ich wegen meines Buches „Electri-City“ unter Vertrag. Wir haben uns auch an der Universität in Porto getroffen. Ich hielt dort einen Vortrag über elektronische Musik, sie über Frauen in der Punkszene. Außerdem liefen wir uns in Manchester bei einem Literaturfestival über den Weg. Und es ist ja so: Wenn man sich dreimal begegnet oder dreimal irgendwie miteinander zu tun hat, dann kann man wunderbar etwas Gemeinsames planen. Ein Dreisatz der Musikszene quasi. (lacht) Und mit Glen war es genauso: Ich habe ihn zweimal in London getroffen, weil er sehr gut mit meinem dortigen Freund Rusty Egan befreundet ist und mit ihm früher, noch vor den Pistols, bei den Rich Kids spielte. Und einmal in Los Angeles. Das war reiner Zufall. Da war eine Veranstaltung von Slim Jim Phantom von den Stray Cats, wo er auch rumlief. Und dort haben wir eine ganze Nacht lang durchgequatscht. Wie das so ist, wenn man zusammensitzt und feststellt, dass man gemeinsame Bekannte in London hat. (lacht)

Wenn es um die Sex Pistols geht, dann geht es eigentlich auch um deren extravaganten Frontmann John Lydon alias Johnny Rotten…

Esch: Ihn habe ich auch schon getroffen. Er hat den gleichen Buchagenten wie ich. Und als er hier mal im Zakk spielte, war er total interessiert an allen Geschichten, die mit Can oder Kraftwerk oder Neu! zu tun hatten. Da kenne ich mich ja aus.

Warum wurde es nicht Lydon für die „Electri-City-Conference“?

Esch: Er ist eben mal gut drauf – so war es auch, als ich mit ihm sprach. Und mal überhaupt nicht. Und dann geht man ihm lieber aus dem Weg. (lacht)

Glen Matlock ist also die sicherere und bessere Wahl?

Esch: Ja. Zudem ist er ja – wie ich unter anderem bei den Krupps – Bassist. Und ich liebe Bassisten-Talk. Den hatte ich in den vergangenen Jahren ja auch schon mit Andy McCluskey von OMD und Jah Wobble von P.I.L. Und: Glen ist eben auch ein Mann der ersten Stunde. Er war vor Sid Vicious da. Er war bei der Gründung der Sex Pistols dabei und hat Songs wie „God save the queen“ und „Anarchy in the UK“ geschrieben.

Verraten Sie uns doch einmal ein paar Fragen, die Sie sich schon zurechtgelegt haben.

Esch: Mich interessiert vor allem der damalige Vibe an der King’s Road. Wie kommt McLaren zurück aus New York, wo er sich ja kurzzeitig um die New York Dolls gekümmert und die Anfänge des dortigen Punk aufgesogen hatte, und stampft so ein Ding aus dem Boden? Da hing ja extrem viel dran. Im „Sex“ hat ja jeder Rocktyp seine Klamotten gekauft. Bis hin zu Keith Richards. Es ranken sich jede Menge kryptische Themen um diesen Laden. Und die kann Glen vielleicht ein bisschen auflösen. Zudem lief das, was Glen und Jordan damals durch McLaren mitbekamen, ja erstmals auf Eigeninitiative. Sprich: Es war der Startschuss der Do-It-Yourself-Bewegung, die bis heute extrem wichtig für den Punk ist und die ja auch die Szene in Düsseldorf um den Ratinger Hof beeinflusste.

Matlock, Sex Pistols: Es geht um Punk. Nicht mehr um elektronische Musik. Verträgt sich das noch mit dem Grundgedanken der Veranstaltung?

Esch: Der Titel „Electri-City“ geht ja zurück auf mein gleichnamiges Buch, das bei der ersten Conference 2015 im Mittelpunkt stand und bei der es dann entsprechend um die Elektro-Szene Düsseldorfs ging. Düsseldorf ist eben die „Electri-City“. Und mittlerweile sehe ich diese Sache vor allem als Düsseldorfer Veranstaltung zu Musikthemen an. Als Veranstaltung, die über Konzerte hinausgeht und besondere Einblicke gewährt. Und die sich nicht zwingend um elektronische Musik drehen muss.

Eine Düsseldorfer Marke also.

Esch: So ist es.

Was kann in den kommenden Jahren noch folgen?

Esch: Wir hatten jetzt dreimal elektronische Musik und bis auf Vince Clarke von Depeche Mode eigentlich alle wichtigen Leute dabei. Dieses Jahr steht zum zweiten Mal nach 2018 Punk aus England auf dem Programm. Also würde ich im kommenden Jahr gerne die amerikanische Schiene betrachten. Die Szene rund um das Viertel an der New Yorker Bowery mit Läden wie dem „CBGB’s“ und Bands wie Blondie, Ramones, Television. Und für 2020 wäre Industrial ein schönes Thema. Krupps. Einstürzende Neubauten. Wir werden sehen.

Die Konferenz findet am Samstag, 26. Oktober, von 15 bis 18 Uhr im Haus der Universität am Schadowplatz 14 statt. Jordan Mooney präsentiert ihr neues Buch „Defying Gravity“. Ab 18 Uhr sind sie und Glen Matlock bei A&O-Medien in den Schadow Arkaden zu einer Autogrammstunde.