1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Interview mit der Choreographin Célestine Hennermann: Tanz für die Generation Pampers

Interview mit der Choreographin Célestine Hennermann: Tanz für die Generation Pampers

Die Choreographin Célestine Hennermann hat „Ich sehe was, was du nicht siehst“ für die Allerkleinsten produziert.

Düsseldorf. In Skandinavien gehört es zum Alltag, in Deutschland ist es ein Novum: Tanztheater für Kinder von 0 bis 3 Jahren. Nachdem das Tanzhaus NRW im vergangenen Jahr ein Festival mit Gastspielen veranstaltet hat, bringt es jetzt mit Célestine Hennermanns "Ich sehe was, was du nicht siehst" erstmals eine eigene Produktion für die Allerkleinsten heraus.

Hennermann: Ich bin vor einem Jahr zum ersten Mal Mutter geworden. Im letzten Jahr im September fragte mich dann Bertram Müller, der Leiter des Tanzhauses, ob ich nicht Lust hätte, ein Stück für Babys zu machen. Ich habe dann hier das Festival mit Tanztheater für Kleinkinder verfolgt und zugleich bei der Entwicklung meines Sohnes gemerkt, dass Kinder schon im Alter von drei oder vier Monaten eine ganze Menge wahrnehmen.

Hennermann: Man fährt mit dem Kinderwagen unter Bäumen durch, und sie sind völlig fasziniert von diesem Wechsel von Licht und Schatten, von Blättern und dem Himmel. Die ganz Kleinen nehmen vielleicht nicht den Tanz wahr, aber sie sehen Farben, Formen, Bewegung und Lichtwechsel. Und so kam ich auf die Idee für mein Stück.

Hennermann: Es geht um die vier Jahreszeiten. Wir fangen mit dem Sommer an, es folgen Herbst, Winter und schließlich der Frühling mit einem fröhlichen Kinderspiel. Ich habe ein Thema gesucht, von dem sowohl Kinder mit sechs Monaten als auch Zweijährige etwas haben. Eine Geschichte wollte ich für die ganz Kleinen noch nicht erzählen; die Zweijährigen könnten einer Handlung zwar folgen, aber auch bei Ihnen geht es eher um Wiederholung; sie möchten am liebsten immer wieder die gleiche Geschichte hören.

Hennermann: Der Körper hat für Kinder eine ganz starke Aussagekraft. Ich habe eine Produktion mit HipHop-Tänzern gemacht, als mein Sohn Mika ein halbes Jahr alt war. Er lag in seiner Wippe und war völlig fasziniert. Wenn also die Bewegungen rund und weich sind, synchron verlaufen und etwas Freundliches ausdrücken, können die Kleinsten dem folgen.

Hennermann: Es stört überhaupt nicht, wenn ein Kind auf die Spielfläche krabbelt. Wir haben das geprobt, es kann also nichts passieren. Die Bühne ist schon ein Universum für die Kinder. Nach der Vorstellung dürfen sie dann mit allem spielen, was sie finden, dürfen alles anfassen, in den Mund nehmen, und die beiden Tänzer zeigen ihnen, wie Schattenfiguren funktionieren.