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Interview: Klassik muss begeistern

Interview: Klassik muss begeistern

Eckart Schulze-Neuhoff will neue und populäre Reihen im Schumann-Saal etablieren.

Düsseldorf. Bislang nutzten zumeist Gastveranstalter den Robert-Schumann-Saal im Ehrenhof. Doch jetzt will Eckart Schulze-Neuhoff, Leiter des Schumann-Saals, mit eigenen Konzerten das Profil der Spielstätte schärfen.

Schulze-Neuhoff: Zum Teil schon, aber alles zu seiner Zeit. Ich will natürlich einerseits nicht den "Lachenden Schumannsaal" eröffnen, aber andererseits sagen mir nicht nur junge Leute oft, dass sie zwar klassische Musik mögen, sich aber vom steifen Rahmen, in denen die Konzerte stattfinden, abgeschreckt fühlen. Wir brauchen neue Konzertformen, um auch ein klassikfremdes Publikum zu erreichen. Die Reihe "440Hz" ist tatsächlich ganz klar auf ein eher junges Publikum zugeschnitten, das anschließend im Foyer bis in die Nacht eine Party feiert. Dies aber mit Qualität und Anspruch, schließlich wollen wir die jungen Leute ja für die Klassik begeistern. Jetzt haben wir noch eine Reihe initiiert, bei denen sich auch das traditionelle Publikum sehr wohl fühlen kann.

Schulze-Neuhoff: Die Reihe "erstKlassik!" in dieser Saison mit dem Schumann-Quartett. Sie interpretieren leidenschaftlich und virtuos in fünf Konzerten die große Quartettliteratur. Aber auch dies sind keine traditionellen Kammerkonzerte, wie sie Michael Becker von der Tonhalle mit der hochkarätigen Reihe "Raumstation RSS" erfolgreich bei uns veranstaltet. Die jungen Musiker sprechen in einer lockeren Form mit dem Publikum über die Musik und das Musizieren. So etwas galt früher als Tabubruch. Heute lieben die Leute es, wenn die Musiker selber moderieren und ihre Persönlichkeit nicht nur durch die Musik ausdrücken.

Schulze-Neuhoff: "440Hz" war bislang fast immer ausverkauft und das mit einem überwiegend jungen Publikum! Und auch beim Streichquartett-Konzert mit den Schumann-Brüdern wurden über 700 Karten verkauft. Ein irrer, aber verdienter Erfolg für ein noch unbekanntes Quartett! Das lässt hoffen. Auslastungszahlen hängen aber auch immer mit einer guten und umfangreichen Werbung zusammen. Die ist leider sehr teuer. Hinzu kommt, dass besonders in Düsseldorf oft nur die ganz großen Namen zählen und man sich gegen eine unglaubliche Konkurrenz, nicht zuletzt durch die Nähe zu vielen Kulturstätten, behaupten muss.

Schulze-Neuhoff: Mich hat die Regisseurin Irene Langemann angesprochen, weil sie den Schumann-Saal für den idealen Rahmen für die Premiere dieses Films über vier junge russische Pianisten hält. Vor zehn Jahren hatte sie den Dokumentarfilm "Wunderkinder" gedreht. Nun sind die Kinder erwachsen und müssen sich im knallharten Klassik-Geschäft behaupten; daher auch der Titel des zweiten Films: "Die Konkurrenten". Entstanden ist eine anrührende Bestandsaufnahme. Mir kam die Idee, die vier Protagonisten im Rahmen eines Konzertes vor der Filmpremiere zu präsentieren und die Filmausschnitte, die sich mit den Pianisten beschäftigen, zwischen den Werken zu zeigen. Der Saal bietet sich einfach an für eine Kombination aus Film und Konzert.

Schulze-Neuhoff: Großartig wird sicher auch ein szenischer Liederabend mit der Schauspielerin und "Tatort"-Kommissarin Eva Mattes (31.10.) und ein Abend mit der Sopranistin Simone Kermes, die Arien aus dem Neapel des 18. Jahrhunderts präsentieren wird (14.11.). Ich bin besonders stolz, dass wir hier vor den großen Metropolen die ersten sind.

Schulze-Neuhoff: Die Stiftung museum kunst palast hat satzungsgemäß nicht nur für die bildende Kunst einen kulturellen Auftrag, sondern auch die Aufgabe, den Schumann-Saal zu bespielen. Der wird sie nun noch mehr gerecht, indem sie dafür ein zusätzliches Budget zur Verfügung stellt. Erfreulicherweise ist der Deckungsbeitrag bei den Konzerten durch die gute Auslastung bei sehr moderaten Eintrittspreisen und durch geschickte Honorarverhandlungen sehr hoch. Die Reihe "440Hz" wird durch großartige Sponsoren finanziert, denen ich zutiefst zu Dank verpflichtet bin.