In der Alten Kämmerei: Düsseldorf in Form von Morsezeichen

Kultur : Alte Kämmerei: Düsseldorf in Form von Morsezeichen

Ausstellung des Künstlerkollektivs „Teilmöbliert“ in der Alten Kämmerei. Fotos von Möbeln mit Düsseldorf-Bezug.

Ein langer weißer Stab mit roten Markierungen lehnt vor einem Foto, auf dem im Hintergrund der Fernmeldeturm zu sehen ist.  „Das sind Morsezeichen, sie ergeben Düsseldorf“, erklärt Markus Wilkens die Skulptur seines Leuchtstabs. Das Foto vom Turm, dessen Uhr ja auch aus Leuchtzeichen besteht, stammt von Orion Dahlmann.

Die Gesamtidee hatte das Düsseldorfer Kollektiv Teilmöbliert für seine diesjährige Ausstellung: Elf Gestalter haben ein Möbel mit Bezug zu Düsseldorf entworfen und es einem Fotografen ihrer Wahl zur Interpretation überlassen. Das Ergebnis ist noch bis Sonntag in der Alten Kämmerei zu sehen.

.Es ist die zweite Ausstellung des Kollektivs, die erste war 2017 im PostPost aufgebaut. Ziel ist es, Düsseldorf  als Design-Standort zu etablieren und die freie Designer-Szene zu beleben. Das bei der Wirtschaftsförderung angesiedelte Kompetenzzentrum Kultur und Kreativität KomKuK ist Kooperationspartner.

Jetzt bot sich das Bauhaus-Jahr an. Anna Ohling baute eine Bank, auf deren Sitzflächen Smilies die Zunge rausstrecken. Christof  Lungwitz hat eine Wunderkammer aufgebaut, Regal, Tisch und Stuhl. Der Tisch steht auf runden und eckigen Beinen, das Regal ist mit wundersamen vielbearbeiteten hölzernen Gegenständen dekoriert, deren Ursprung oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Da wird ein halber hölzerner Kleiderbügel zum Handschmeichler. Lungwitz versteht sich als Kunsthandwerker, hat Tischler gelernt, an der Düsseldorfer Akademie studiert, sein Vater war Bildhauer.

Lukas P. Schulz‘ Regal sieht nur auf den ersten Blick zusammengeschustert aus, mit seinen eher rohen Gitterwänden, Holzbeinen und Drahtgleisscheiben. Für den Macher ist es Architektur, mit Säulen, Etagen, Sichtschutzfenstern, penibel gearbeitet. Fotograf Jan Buschmann macht daraus augenzwinkernd ein  Outdoor-Möbel, indem er es vor einen Drahtzaun stellt, an den er eine Uhr hängt.

Fotograf Bernd Schaller stapelt die Regale von Konrad Jesdinsky unter bewölktem Himmel zu einer Skulptur vor einem Bürogebäude. Beinahe ein Mahnmal.  Rainer Rehfeld verschachtelt Christian Lessings Schachteln auf  dem Mittelstreifen einer breiten schwarzen Asphaltstraße. Zufall, dass das männliche Model von Fotografin Sofia Zwokbenkel das Omega-Zeichen auf dem Oberarm tätowiert hat, mit dem Designerin Paula Ellert eine Leuchte schmückt.

Ein bunter Vogel, fotografiert von Andreas Jung, krallt sich auf einer dottergelben Stange fest: Stefan Schwander stellt Stahlrohr-Tischchen auf, die man sich gut in Serie vorstellen könnte.

Aber seine wie auch die anderen aufwändig gearbeiteten Ausstellungsstücke gibt es nur in kleinen Auflagen. Hier ist der Kennerblick gefragt. Wenn dem eine Kaufentscheidung folgt oder ein Auftrag: noch besser für die freien Designer und Fotografen, die nicht selten auch ihre Lebenshaltung kunstvoll gestalten müssen.

Es lohnt sich, die  Begleittexte zu lesen: Die Aussteller verraten Geheimtipps aus ihren Stadtteilen, die Kaffeebar in Pempelfort, die Pommesbude in Bilk, aber auch, was sie nicht so gut finden. Zum Beispiel „dass die Derendorfer Straße noch kein Coming out hatte“. Stimmt!

Wohnhaft in DUS – Möbel trifft Fotografie, organisiert vom Kollektiv Teilmöbliert, Alte Kämmerei, Marktplatz 6, Samstag, 12 bis 22 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr. Samstag 18 Uhr: Design-Talk vom Harald Hullmann (Kunstflug).

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