Theater: Im Theaterzelt am Rhein muss keiner Angst haben

Theater : Im Theaterzelt am Rhein muss keiner Angst haben

Im Zelt am Rhein lassen Peter Jordan und Leonhard Koppelmann mit „The Queen’s Men“ Theater wie zu Zeiten Shakespeares spielen.

Düsseldorf. „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ Der Schauspieler mit dem Totenkopf in der Hand fragt sich aber eher: Liegt die Betonung nun auf „sein“ oder auf „das“? Zeit für Seelenerforschung bleibt diesem Hamlet kaum, elf Mimen und zwei Musiker fechten und tanzen, singen und schwadronieren sich durch eine wilde Story, die Peter Jordan und Leonhard Koppelmann für das Theaterzelt an den Rheinterrassen zusammengesponnen haben. Premiere ist am 16. September.

„The Queen’s Men“ nennt das Duo die Komödie, mit der sie die im Halbrund sitzenden Zuschauer in die Zeit Shakespeares versetzen. Shaunessy Williams (Moritz Führmann) ist der Kopf eine Theatertruppe. Er versucht, mit seinen eigenwilligen Darstellern ein Stück auf die Bühne zu bringen, das selbst Königin Elisabeth überzeugt. Wenn sie es damit schaffen könnten, „The Queen’s Men“ zu werden, wäre ihr Haus und damit ihr Leben gerettet. Dass dabei der ein oder andere aus der Rolle fällt und es am Ende sogar um das Leben Elisabeths geht, fordert jede Menge schauspielerisches Handwerk.

Jordan und Koppelmann, die in der vergangenen Spielzeit mit „In 80 Tagen um die Welt“ für ausverkaufte Zelt-Vorstellungen gesorgt haben, wollen die Virtuosität ihres Ensembles in möglichst vielen Spielarten zeigen. In ihrer Truppe sind erfahrene Schauspieler wie Moritz Führmann oder Hanna Werth, die Königin Elisabeth spielt, zudem Schauspielstudenten und Orlando Lenzen, der gerade erst sein Abi gemacht hat und nun die Rolle eines gewissen William übernimmt. Jordan weiß um die Sehnsucht des Publikums, sehen zu wollen, was die Darsteller so alles können.

„Theater im Theater, eine Räuberpistole und Schauspieler, die zu echten Helden werden.“ Auf diese Kurzfassung bringt Autor und Regisseur Jordan seine Komödie, mit der er alle Altersklassen erreichen möchte.

Koppelmann nennt das Spektakel „volksfestartig“ und ein „lustvolles Erlebnis“, mit dem sie an Theatertraditionen Shakespeares anschließen. „Zudem erzählen wir von der Genese des Theaters und blicken hinter die Kulissen.“

Für Kenner gibt’s Zitate in reiner Schlegel-Tieck-Übersetzung: ein bisschen Hamlet, King Lear, Romeo und Julia und Richard III. Aber Jordan stellt klar: „Wir inszenieren kein Shakespeare-Stück. Bei uns muss keiner Angst haben.“ Er schätzt das Zelt, bei dem die Schwelle für einen Theaterbesuch deutlich niedriger sei als im Schauspielhaus. Auch ihm selbst bieten sich andere Möglichkeiten: „Im Zelt darf man Sachen probieren, die im normalen Stadttheater verboten wären.“

Da geht auch schon mal eine Sonnenbrille zur Samthose aus dem 16. Jahrhundert, oder der Sommersong „Despacito“ zum lässigen Auftritt eines spanischen Eindringlings. Die Schauspieler blödeln rum auf der Bühne, fachsimpeln während der Probe über Foltermethoden für Kollegen, denen der Text fehlt. Jordan und Koppelmann feixen mit. Der Spaß am Spiel ist Konzept, er soll sich übertragen — auch auf die Zuschauer.

Dass Wolfgang Reinbacher, seit 1960 am Düsseldorfer Schauspielhaus, einen alten Bühnenhaudegen verkörpert, der inzwischen aber dauernd Einsatz und Text vergisst und sich nach der Mittagspause sehnt, dreht die Geschichte vom Theater im Theater dabei noch eine amüsante Runde weiter.