Im Kom(m)ödchen: „Kanzlerchauffeur“ hält in Düsseldorf

Kabarett : „Kanzlerchauffeur“ hält in Düsseldorf

Kabarettist Michael Frowin gastierte im Kom(m)ödchen.

Der Kabarettist Michael Frowin ist mit einer Figur bekannt geworden, die in direktem Kontakt mit der wichtigsten politischen Machthaberin Deutschlands in Kontakt steht und zugleich die „kleinen Leute“ verkörpert: den Kanzlerchauffeur. Der Figur des Dienstwagenfahrers von Angela Merkel treu bleibt Frowin auch in seinem dritten Programm, mit dem er am Donnerstag im Kom(m)ödchen auftrat. Der Titel: „Der Kanzlerchauffeur bremst für Deutschland!“

Auf der Bühne finden sich eine Telefonzelle (aus Pappmaché), ein Bushaltestellen-Schild und eine Sitzbank. Requisiten einer Rahmenhandlung, die Frowin in der Lausitz spielen lässt. Er befindet sich auf dem Weg zu seinem Kollegen Ludger, der zum 50. Geburtstag mit einer Party in seiner Wohnung überrascht werden soll. Doch mitten in der ostdeutschen Walachei streikt der smarte Dienstwagen, der José heißt und sogar sprechen kann (Frowin mimt ihn mit spanischem Akzent). Der Kanzlerchauffeur begegnet anderen Figuren, die Frowin  alle selbst spielt: Gunnar, einem Lobbyisten, oder „Dorf-Sheriffs“, mit denen Frowin letztlich eine friedliche politische Revolution „von unten“ startet.

Gute zwei Stunden lang legt Frowin die wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen unters humoristische Brennglas. Es beginnt mit der Digitalisierung, die immer intelligentere Geräte mit sich bringt: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis mein Kühlschrank die Fleischwurst rausschmeißt, weil er beschlossen hat, vegan zu sein.“ Wird das menschliche Leben in Zukunft von Maschinen bestimmt? Auch soziale Medien zieht Frowin durch den Kakao. So seien WhatsApp-Gruppen „die Apokalypse unter den Katastrophen“. Lustig macht er sich auch über die neue Wohnklientel im einstigen „Proleten-Kiez“ Prenzlauer Berg: „Lactoseintelorante Yoga-Lehrer“ oder „biodynamische Kunsttherapeuten“ Aber auch die Abgasaffäre kommt zur Sprache, bei der die Automobilhersteller „seit Jahrzehnten unbehelligt manipuliert und Kartelle bildet“. Der Grund: Die Politiker wollen sich nicht mit der größten deutschen Industriebranche anlegen. Einer der Höhepunkte der Show bildete aber die Geschichte des Toxikologen Helmut Greim, der seit Jahrzehnten die Politik beeinflusst. Pharmariesen etwa kaufen bei ihm Gutachten und lassen sich Unbedenklichkeitserklärungen für Glyphosat ausstellen. Lustige Unterhaltung auf höchstem Niveau!

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