Im Kino: Le Mans 66 – der automobile Culture Clash

Neu in den Programmkinos : Le Mans 66 – der automobile Culture Clash

Unser Kolumnist Philipp Koep beleuchtet aktuelle Filme in Düsseldorfer Programmkinos.

Automobiler Culture Clash. Beim Autorennen treffen zwischen dem Alten und dem Neuen Kontinent Welten aufeinander: während die Boliden bei den amerikanischen NASCAR-Rennen mit Vollgas um die mit Steilkurven ausgebauten Runden jagen, sind die europäischen Rennkurse komplizierter, haben schwierige Kurvenkombinationen und unübersichtliche Senken. Eine motorsportliche Annäherung versuchten bereits Hollywood-Produktionen wie das Lauda-Biopic „Rush“ oder „Driven“. Mit James Mangolds „Le Mans 66“  illustriert Amerika nun den Amerikanischen Traum auf der europäischen Piste.

Anfang der 60er Jahre stotterte der Erfolgsmotor von Ford in Detroit: die Massenmarke verlor an Zugkraft. Auch der neue Mustang konnte das Image von Biederkeit  nicht überwinden. Da kam Marketing-Chef Iacocca auf eine Idee: mit dem Engagement im Rennsport sollte der Muff der braven Familienkutsche abgelegt werden. Mit dem ehemaligen Rennfahrer Caroll Shelby (Matt Damon) suchte er sich einen erfahrenen aber noch recht jungen Partner und der setzte wiederum auf den fähigsten Fahrer Ken Miles (Christian Bale) für den neuen Rennstall. Der hat zwar Benzin im Blut, ist aber entsprechend explosiv. Schon bald treffen sportliche Leidenschaft auf die Eigenarten eines Großkonzerns - und auf Ferrarri als listigen wie technisch versierten Rivalen. Die Auseinandersetzung kulminierte schließlich beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, bei dem Ford die Italiener mit einem Dreifach-Sieg deklassierte. Nicht ohne nationales Pathos, aber mit deutlichen Seitenhieben auf die Bürokratenseele der US-Industrie verfilmte Mangold das Drama als Mainstream-Unterhaltung für die Fridays for Hubraum-Fraktion.

Atelier, Preview am Mo. um 20 Uhr im Atelier (nur Restkarten)

Zwingli - Der Reformator

Nach dem Lutherjahr kommt nun im „Zwingli“-Jahr zum Reformationstag die Geschichte des schweizer Reformators Ulrich Zwingli auf die Leinwand: Vor 500 Jahren trat er sein Amt als Leutpriester in Zürich an. Von hier aus wirkte er an der Reform der Katholischen KIrche und geriet wie Luther in einen Gegensatz zum Papst. Die schweizer Produktion setzt in der Regie von Stefan Haupt auf die schauspielerische Präsenz von Peter Simonischek in der Titelrolle und den Kanon der bekannten Zwingli-Sentenzen und Stationen. Das bleibt letztlich artiger Historienfilm und hat wenig von Zwinglis revolutionärem Eifer

Bambi, tgl. 16.15 Uhr

Das perfekte Geheimnis

Mit dem Erfolg der „Fack Ju Göhte“-Reihe war die Latte hoch angelegt für Regisseur und Autor Bora Dagtekin. Für sein „Comeback“ setzt er nun auf Erfolg und Bewährtes: der Cast versammelt eine illustre Riege von deutschen Topstars (das „Göhte“-Team Elyas M´Barek und Jella Haase, außerdem: Karoline Herfurth, Wotan Wilke Möhring, Frederick Lau, Jessica Schwarz, Florian David Fitz) und die Story wurde bereits in Italien („Perfect Strangers“) und Frankreich „Le Jeu - Das Spiel“ verfilmt und ein Kassenerfolg. Dem gemütlichen Abendessen unter Freunden sehen die Gäste mit gemischten Gefühlen entgegen. Klatsch und alte Resentiments bestimmen die Themen, doch dann kommt eine neue Spielidee auf. Alle Gäste sollen ihre Handys auf den Tisch legen und jede hereinkommende Nachricht wird vorgelesen - egal was. Die Nervosität steigt und bald beginnt ein turbulentes Kennenlernspiel unter Freunden und Partnern.

Metropol, tgl. 16.30, 19 u. 21.30 Uhr, Sa/So auch 14 Uhr

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Verräterische Mission. Die junge Porträtmalerin Marianne erhält einen heiklen Auftrag. Sie soll die junge Adelige Héloise (Adèle Haenel) malen, dabei darf diese jedoch nichts von dem Vorhaben erfahren. Das Porträt soll nämlich der Verheiratung Héloises mit einem ihr unbekannten Aristokraten in Italien dienen. Hinter dem Plan steckt Héloises verwitwete Mutter (Valeria Golino), die über die Heirat in ihre Heimat zurückkehren will. Doch das Ansinnen scheiterte bereits bei Héloises Schwester, die lieber von der Klippe sprang. Auch Héloise widerstrebt der Zwangsehe

So wird die Porträt-Studie als Besuch Mariannes getarnt, doch aus den verstohlenen Blicken der Künstlerin wird schließlich Verständnis und Liebe. Es entsteht das Porträt einer jungen Frau in Flammen.

Cinema, tgl. 16 u. 18.45 Uh, (So. .45 h im frz. OmU, Di. nur 17 Uhr)

Die kleinste Schau der Welt

Zum 40. Jubiläum des Programmkinos Metropol hat sich Udo Heimansberg ein besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: eine sehr britische Komödie aus dem Jahr 1957 mit illustrer Besetzung. Margareth Rutherford und Peter Sellers spielen die Belegschaft eines ebenso winzigen wie schäbigen Kinos, das per Erbschaft in den Besitz eines jungen Paares gelangt. Nach der ersten Enttäuschung müssen die beiden auch noch entdecken, dass mit dem Grand Theatre gleich nebenan die Konkurrenz mit einem prächtigen Haus sitzt und das eigene Personal so seine Macken hat. Doch als der Nachbar den Kino-Neulingen einen schäbigen Kaufpreis anbietet um aus dem Kino einen Parkplatz für sein Filmtheater zu machen, ist der Widerstandsgeist geweckt. Auch die Angestellten sind Feuer und Flamme für den Erhalt … vielleicht etwas zu wörtlich.

Metropol-Geburtstagsfeier am Fr. um 14.30 Uhr, Eintritt frei