Im Irrgarten der Naivität

„Ein Traum von Hochzeit“ sorgt in der Komödie an der Steinstraße für einige Turbulenzen.

Was mag es für einen Mann Süßeres geben als das Erwachen in der eigenen Hochzeit-Suite? Doch kann die gleiche Sache sauer aufstoßen, wenn sie eine Nacht zu früh geschieht und das auch noch in Bettnachbarschaft mit einer fremden Frau. Dieses Malheur geschieht in dem Lustspiel mit dem ironischen Titel „Ein Traum von Hochzeit“ des englischen Schauspielers und Bühnenautors Robin Hawdon (geb. 1939). Nun ist es in der Komödie an der Steinstraße zu sehen.

Bräutigam Bill hat das zweifelhafte Vergnügen: Er erwacht am Morgen seiner Trauung neben einer Unbekannten im eigentlich noch unberührt zu haltenden Hochzeitsbett. Gestern hatte er noch einen feucht fröhlichen Junggesellenabschied gefeiert und kann sich infolge übermäßigen Alkoholkonsums an keinerlei Einzelheiten mehr erinnern. Dummerweise ist jeden Moment die eigentliche Braut im Anmarsch, um das Hotelzimmer zum Anziehen des Hochzeitskleides zu nutzen. Glück im Unglück: Vor ihr erscheint Bills bester Freund und Trauzeuge Tom im Gemach. Er soll nun so tun, als sei er der Freund von Bills unverhoffter Bettgefährtin.

Die kuriose Konstellation ist Ausgangslage eines ganzen Irrgartens an Verwechslungen, Missverständnissen und peinlichen Zufällen. Bills misstrauische und schnell reizbare Braut Rachel scheint zunächst die Einzige zu sein, der Bill versucht, Sand in die Augen zu streuen. Doch dann bahnen sich noch weitere Katastrophen an.

Das Stück wirkt zunächst einfach gestrickt, die Handlung vorhersehbar. Doch da immer wieder neue Komplikationen dazukommen, gewinnt das Gewebe mit der Zeit an Feinmaschigkeit. Trotz aller Raffinesse und Situationskomik besitzt das Ganze eine Schwachstelle: die Durchsichtigkeit der Tricks, deren sich die Herren bedienen. Der Zuschauer ist ohnehin in alles eingeweiht. Doch selbst die Bühnenfiguren erscheinen wie in der Lage, alles sofort durchschauen zu können. Dass sie dies nicht tun, zwingt den Zuschauer dazu, ihnen streckenweise eine extreme Naivität und Blindheit zu unterstellen.

Zum Glück ist das Lustspiel kein Krimi. Daher zeigt man allein aus Spaß an der Freud’ Bereitschaft, den Akteuren ihre Realitätsblindheit abzukaufen. Außerdem spielen die Darsteller ihre Rollen sehr lebendig und mit Sinn fürs Skurrile und Groteske. Stefan Bockelmann geht in der Rolle des im Suff versehentlich fremdgegangenen Bräutigams voll auf. Und Armin Riahi legt als dauerverwirrter Freund und Trauzeuge Tom eine unterhaltsame Performance hin. Passend eingesetzt sind unter anderem auch Verena Wüstkamp als genervte Braut Rachel und Kerstin Bruhn als mehr oder weniger unbekannte Bettgefährtin Judy.

Das Ganze ist von Regisseur Rolf Berg mit viel Tür auf und Tür zu rasant in Szene gesetzt, was die dramaturgischen Schwächen des Textbuches gut kompensiert. Vom Premierenpublikum wurde die Produktion mit sehr freundlichem Beifall belohnt.