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Im Düsseldorfer Kunstpalst reden jetzt auch die Bürger der Stadt mit

Umbau im Musem Kunstpalast : Neue Perspektiven durch die „Palastpiloten“

Das Team des Kunstpalastes setzt bei der Umgestaltung des Museums auf ungewöhnliche Unterstützung von den Bürgern der Stadt.

Felix Krämer hatte auf 50 bis 60 Zusendungen gehofft, als die Suche nach den „Palastpiloten“ online ging. Er irrte. 1000 Menschen bekundeten Interesse, sich an der Neugestaltung des Kunstpalastes zu beteiligen. Zehn wurden ausgewählt, um ihre Anregungen beizusteuern und sich an der Entscheidungsfindung für ein publikumsnahes Gestaltungs- und Vermittlungskonzept zu beteiligen.

Die Idee zur Bürgerbeteiligung hatte Direktor Krämer. Das Format wird häufig in der Stadtplanung angewandt, und auch am Stadtmuseum gibt es seit vielen Jahren eine Gruppe Düsseldorfer, die an Ausstellungen mitwirken oder selbst kreativ tätig werden. Krämer glaubt, ein großes Haus wie der Kunstpalast werde vielfach als Tempel wahrgenommen. Als ein Ort, der kostbarste Gegenstände beherberge und zu dem man sich als Normalsterblicher quasi vor lauter Ehrfurcht keinen Zugang verschaffen mag.

Das jedenfalls hat er in Gesprächen mit Besuchern und seinem Team herausgehört. Dem klugen Strategen schwebte für die Zukunft eine Diskussion auf Augenhöhe vor: Kunstexperten lassen sich von Düsseldorfern nicht nur inspirieren, sondern man arbeitet miteinander; argumentiert aus unterschiedlichen Blickwinkeln und realisiert Ideen, die langfristig die Schnittmenge mit dem Interesse der Besucher vergrößern.

Die Neugestaltung des Kunstpalastes ist nach Ansicht von Krämer ein passender Anlass für sein publikumsorientiertes Vorhaben. „Mit Außenperspektiven zu arbeiten, ist ein Schatz, ein Glück für uns“, sagt Felix Krämer. „Wir verwalten die Sammlung zwar, sie gehört jedoch den Menschen. Wir möchten, dass sie sich mit unserem Haus und unserer Kunst identifizieren.“

Tony-Cragg-Ausstellung hat den DNA-Sachverständigen gepackt

Nicole Maas und Frank Tschentscher sind zwei von zehn „Palastpiloten“ und „-pilotinnen“. Maas studiert Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität und organisiert für das Kulturreferat des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) Veranstaltungen auf dem Campus. „Kultur und Bildung sind meine Themen“, sagt sie. Tschentscher ist Biologe und als DNA-Sachverständiger bei der Polizei tätig. Beiden ist der Museumsbesuch nicht fremd, sie schauen sich häufig Ausstellungen an, sind jedoch der Meinung, dass es Verbesserungsbedarf gibt. „Ich bin früher nur in Naturkunde-Museen gegangen“, sagt Tschentscher. Der Schulunterricht habe bei ihm kein Zutrauen, geschweige denn Lust ausgelöst. In Kunst habe er eine Fünf gehabt: „Mit 28 habe ich eine dann eine Retrospektive von Tony Cragg in München gesehen. Da hat es mich gepackt.“

Spannende und neue Formen der Kunst – davon sähen Nicole Maas und Frank Tschentscher gerne mehr im Kunstpalast. Exponate, die man zunächst auf sich wirken lassen kann, die inspirieren, ohne den Backround zu kennen. „Gerade junge Leute gehen davon aus, dass ein Ausstellungsbesuch eine exklusive Angelegenheit für Menschen ist, die über ein großes Wissen und gute finanzielle Mittel verfügen“, sagt Nicole Maas. „Das geht so weit, dass sie denken, um eine Ausstellung anzuschauen, müsse man sich schick und teuer kleiden.“ Sie möchte dazu beitragen, dass der Kunstpalast ein Ort wird, an dem jeder seinen Platz findet, an den sich jeder eingeladen fühlt. „Mit einem Café vielleicht, gesellschaftspolitischen Gesprächsrunden, einem Raum für ,ganz normale‘ Menschen, den sie nutzen können. Als Atelier oder Musikprobenraum.“

Wenn Tschentscher sich etwas wünschen könnte, wäre es die Einrichtung eines virtuellen Raums, in dem man Künstler-Avatare trifft. „Es wäre doch toll, Albrecht Dürer zu seinem Werk befragen zu können“, sagt der Naturwissenschaftler. Auch plädiert er für eine Erhöhung des Ankaufsetats des Kunstpalasts und würde zu gerne ein Bild im Depot aussuchen, das für alle Besucher zu sehen
wäre.

Maas und Tschentscher sowie ihre acht Mitstreiter sind aufgerufen, zu brainstormen, was das Zeug hält. „Ich fühle mich dabei durchaus ernst genommen“, sagt Tschentscher. Der Austausch mit den Mitarbeitenden des Kunstpalastes sei sehr gut, bestätigt auch Nicole Maas. Jetzt hoffen alle, sich endlich auch mal leibhaftig und nicht nur online zu
treffen.

Ein Zückerchen gab es zuletzt fürs Homeoffice. Per Post wurde Mikrowellenpopcorn an die „Palastpiloten“ verschickt, das diese schmausten, während sie per Videocall beim Aufbau der Heinz-Mack-Ausstellung dabei waren. „Das war schon toll“, sagt Tschentscher. „Wie wird es erst sein, wenn wir das alles live
erleben?“