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FFT: „Ich bin Pinguin“ — eine Geschichte ohne Worte

FFT : „Ich bin Pinguin“ — eine Geschichte ohne Worte

Im FFT wurde ein antarktisches Coming-of-Age-Stück für gehörlose und hörende Kinder ab 4 Jahren aufgeführt.

„In der Antarktis stürmt es häufig, und manchmal weht der Wind die Eier weg, die von Pinguinen und anderen Vögeln gelegt werden“, diese Einleitung wurde bei Wera Mahnes Stück „Ich bin Pinguin“ vorangestellt, welches Dienstag am Vormittag in der Spielstätte Juta des FFT vor einigen Gruppen von Kindergartenkindern aufgeführt wurde. Abgesehen von dieser Einleitung kam das Stück ohne jeglichen Dialog aus. So konnte es von hörenden, genau so wie von gehörlosen Kindern verstanden werden. Auch diese Einleitung wurde deswegen zweisprachig vorgetragen: auf Deutsch und in Deutscher Gebärdensprache. Selbst wenn in den Vorführungen jetzt keine gehörlosen Kinder im Publikum saßen, wurden sie neugierig, was diese Handzeichen denn bedeuten. „Das ist eine richtige Sprache mit Zeichen, die man wie Buchstaben lernen muss“, ließen sich sie von ihren Erziehern erklären.

Im Theaterraum wurden die Kinder mit rieselndem Schneelametta und Geräuschen von Schneestürmen aus den Lautsprechern direkt in die einsame antarktische Eiswüste entführt. In der Mitte des Raumes stand eine riesige weiße Plane, auf die eine Winterlandschaft projiziert wurde. Ob es sich dabei um ein riesiges Ei oder eine Art Iglu handelte, wurde der Fantasie der Vier- bis Sechsjährigen überlassen. Als die Plane aufbrach kam der Titelheld, eine Pinguinfrau heraus, die von der gehörlosen Schauspielerin Pia Jendreizik gespielt wurde.

Pinguin und Vogelbaby spielen inmitten der Zuschauerreihen

Die Kinder näherten sich dem Pinguin, der sie mit Gesten näher zu sich holte. Als der sichtlich vereinsamte Pinguin ein Ei fand, und aus diesem ein zotteliges Vogelbaby schlüpfte, nahm sie es direkt bei sich auf. Auch die Kinder waren neugierig auf den kleinen Vogel: Süß ist er ja, aber er sieht auch ein wenig gruselig aus. Die Puppe wurde durch Stiele vom Puppenspieler gesteuert und war nicht besonders beweglich. Doch mit seinem klappernden Schnabel, mit dem er nach allem schnappte, was sich bewegte, gewann er die Herzen der Kinder und der begleitenden Erwachsenen. Die Kinder näherten sich langsam und fingen an, ihn zu streicheln. Ohnehin waren die Kinder bei diesem Stück mitten im Geschehen. Sie setzten sich um das Haus der Pinguinmutter und wurden nicht durch eine Bühne getrennt, die Schauspieler bewegten sich während des Stücks durch die Reihen.

Nur mit Gesten wurde eine lebensnahe Geschichte über das Erwachsenwerden kindgerecht erzählt. Die Pinguinfrau zog ihr adoptiertes Baby auf, und hatte endlich eine Familie. Als der Vogel ausgewachsen war und anfing, das Fliegen zu lernen, hatte sie Probleme damit, ihn ziehen zu lassen. Erst in der letzten Szene schaffte es der Pinguin, sich vom flügge gewordenen Vogel zu verabschieden, der anmutig von der Bühne flog.

Im Anschluss an das rund einstündige Stück wurden die Kinder zu einem kurzen Abschlussgespräch eingeladen, wo sie Fragen an die Regisseurin und mithilfe einer Dolmetscherin an die Hauptdarstellerin stellen konnten. Dabei staunten sie nicht schlecht, wie schnell die Dolmetscherin übersetzen konnte, und das Gespräch so flüssig lief, als gäbe es gar keine Sprachbarriere.

In diesem Gespräch wurde auch deutlich, wie gut die Kinder die Geschichte und die Beziehung zwischen Pinguin und Vogelbaby verstanden hatten. „Ich bin Pinguin“ zeigt so, dass auch trotz Sprachbarriere Geschichten erzählt werden und Emotionen geweckt werden können. Außerdem lernten die Kinder ganz nebenbei etwas über das Leben von Gehörlosen, wie Gebärdensprache aussieht, und wie sich gehörlose und hörende Menschen miteinander unterhalten können.