Musik: Herr der Ringe: Zu wenig Filmmusik

Musik: Herr der Ringe: Zu wenig Filmmusik

Ben Becker erzählte, Billy Boyd sang.

Konzerte rund um das Thema Herr der Ringe sorgen bisweilen für rege Diskussionen beim Publikum. Dies liegt einerseits daran, dass es unterschiedliche Konzertformate mit Herr-der-Ringe-Bezug gibt und diese auch durchaus auf variierendem Niveau verschiedene Ansatzpunkte zu dem Thema wählen. Andererseits an den Erwartungen des Publikums, die durchaus variieren.

Das Konzert, das nun das Capitol besuchte, nennt sich „Herr der Ringe und Der Hobbit – Das Konzert“ und bietet eine durchaus durchmischte Melange. Doch keines der Bestandteile wird konsequent genug in den Fokus gerückt, um zumindest eine Zielgruppe wirklich zufrieden zu stellen. Für Filmmusik-Freunde, die die inspirierte und von Howard Shore komponierte Musik zu den Filmen der Reihe schätzen, bietet das Konzert eben nicht genug Höhepunkte aus dem so umfassenden Soundtrack, wenngleich das Orchester auf durchaus erträglichem Niveau – aber auch nicht mehr – die ausgesuchten Filmmusik-Ausschnitte interpretierte. Dies gilt übrigens auch für den Chor. Wichtige Leitmotive, die Shore den Motiven von Tolkiens Geschichte auf den Leib geschrieben hat, kommen nur selten, oder sogar gar nicht vor. Zudem erklingt aus „Der Hobbit“ nur am Rande etwas. Der Erzähler – Ben Becker – spricht nicht selten über das Orchester hinweg und nimmt somit der Musik die Wirkung. Für wahre Fans von Tolkiens Büchern wiederum dürften die verkürzten Erzählungen, die zudem bisweilen nicht zu dem musikalisch gerade Gespielten passten, weniger große Freude bereitet haben. Ob man Beckers Art nun mag oder nicht, seine Stimme hat Charisma.

Es gab sicherlich etliche im Publikum, die sich wegen dem Auftritt von Pippin-Darsteller Billy Boyd eine Karte gekauft haben. Dieser ist nicht nur Schauspieler sondern auch Musiker. Ein Höhepunkt waren seine Auftritte, die seine doch einnehmende Bühnenpräsenz spürbar machten, doch waren sie etwas rar gesät. Freunden des Tolkien Ensembles, das einen großen Teil des Konzertes prägte, wiederum, durfte die Veranstaltung viel Freude bereitet haben. Mit ihrem Folk, inspiriert von Tolkiens Geschichten, verliehen sie dem Konzert eine spezielle Note. Es wurde getanzt und teils recht gut gesungen. Die per Video eingespielten Grußworte des 2015 verstorbenen Christopher Lee hingegen berührten hörbar alle. Schlussendlich gab es reichlich Beifall.

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